Der Babadook

babadook-03_articleIn dem Film der Babadook von der australischen Filmemacherin Jennifer Kent, steckt sehr viel mehr als eine Gruselgeschichte. Obwohl auf den ersten Blick die beiden wohl typischsten aller Schreckensszenarios aufgegriffen werden: ein altes düsteres Haus in dem es spukt und das Monster aus dem Schlafzimmerschrank. Das Besondere an dem Film sind die beiden Hauptprotagonisten. Böse übernatürliche Wesen bedrohen scheinbar am liebsten das klassische Familienmodell Vater, Mutter Kinder und Hund. Die letzten erfolgreichen Hollywood Gruselfilme wie Insidious, oder die Paranormal Activity -Reihen folgen alle dem Prinzip, dass die Familienidylle durch eine äußere Bedrohung gestört wird, was besonders die Psyche der Betroffenen angreift. Das geht oft soweit, dass Körper und Geist entweder direkt besessen werden oder aber auch, dass sie durch alptraumhafte Visionen in den Wahnsinn getrieben werden. Im Gegensatz zu diesen Mainstream- Schauergeschichten, nimmt der mittels Crowdfunding finanzierte Film seine Protagonisten viel ernster. Statt der austauschbaren Klischee- Kleinfamilie, dessen gewöhnlicher Alltag durcheinander gebracht wird, geht es in „Der Babadook“ um eine von vorneherein dysfunktionale Mutter-Sohn Beziehung. Amelia (Essie Davis) verlor ihren Mann am selben Tag als ihr Sohn Samuel (Noah Wiseman) geboren wurde, bei einem Unfall auf dem Weg ins Krankhaus zur Entbindung. Schon früh wird im Film deutlich, dass Amelia nicht über den Verlust ihres geliebten Partners hinweg gekommen ist. Obwohl sie sich hingebungsvoll um ihren verhaltensauffälligen Sohn kümmert, kann sie es kaum ertragen ihn zu umarmen oder mit ihm über seinen Vater zu sprechen. Er ist zu sehr ein Symbol für ihren Verlust geworden. Während Samuel gerne mehr über seinen Vater erfahren würde, möchte Amelia ihren Schmerz verdrängen. Daher darf Samuel nicht lieben oder tun, was sie an ihn erinnert. Alle ihre Gefühle schließt sie zusammen mit den Erinnerungen an ihren Mann in den Keller. Doch dann taucht auf einmal ein Buch mit dem Titel “Mister Babadook” auf. Was zunächst noch wie ein Kinderbuch aussieht, lehrt den beiden schnell das Fürchten. Schnell wird das Buch entsorgt. Doch da ist es schon zu spät.

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“If it’s in a word or it’s in a look, You can’t get rid of the Babadook.”

Zuerst hat nur Samuel Angst, aber der hatte schon immer Alpträume von Monstern. Doch schon bald muss auch seine Mutter einsehen, dass dort noch etwas anders mit im Haus ist. Der Schrecken scheint zwar dem Buch entsprungen, aber eigentlich geht es dabei um Amelias dunkle Seite, die sie zusammen mit den Erinnerungen an den Unfall in den Keller sperrte, aber so auch nie überwinden konnte. Doch kaum hat sie das Buch gelesen, öffnet sich die Kellertür wie von Geisterhand und immer mehr wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Das Buch zeigt Amelia nichts anderes, als ihre verdrängte Wut auf ihren Sohn, dem sie ungewollt die Schuld für ihre Einsamkeit gibt. So wie sie versucht den Babadook anfangs noch zu ignorieren, so kann sie auch nicht erkennen, dass das aggressive und oft nervige Verhalten ihres Sohnes nur die Antwort auf ihre Ablehnung ihm gegenüber ist. Denn der Text beschreibt nicht ein unbekanntes Wesen, sondern Amelias innerer Dämon, den sie solange weggesperrt hatte. Umso mehr Amelia ihr Trauma bewusst wird, desto sichtbarer wird für sie auch das Wesen der Babadook.

“You’ll see him if you look.”

urlWährend zu Anfang der Geschichte noch der Sohn durch seine unheimliche Art auffällt und die Mutter damit terrorisiert, ist sie es aber letztendlich, die ihre Depression nicht unter Kontrolle hat und psychisch immer labiler wird. Ist sie also in Wirklichkeit der Schrecken, der ihren Sohn bedroht und der Babadook nur eine Vision ihrer verdrängten verzweifelten Wut? Projiziert der Sohn die Angst vor seiner Mutter auf die Monster, die er überall zu sehen glaubt? Der Film lässt diese Frage zum Glück unbeantwortet. Doch verzichtet er leider trotzdem nicht auf die Verkörperung des Babadooks. Damit wird der Film leider ab der zweiten Hälfte zu einer Enttäuschung. Auf einmal werden alle Genre-typischen Spukeffekte ausgepackt. Der Babadook erscheint als ungewollt lustiges Glibber-Ding, was an der Decke rumkrabbelt. Imaginäre Insekten kriechen aus den Ecken, völlig zusammenhangslos zur restlichen Geschichte und am Ende wackeln die Wände und Möbel fliegen durch die Gegend. Spätestens da ist die Atmosphäre endgültig zerstört.

Dabei hat der Film zu Beginn sehr gute Szenen, die absolute Gänsehaut garantieren. Denn nichts ist unheimlicher als die unsichtbare Bedrohung und das Gefühl, nachts in seinem Zimmer nicht alleine zu sein obwohl niemand zu sehen ist. Eine stimmige bedrückende Atmosphäre erreicht der Film zunächst noch Dank einer starken Inszenierung der Schlafstörungen Amelias und den Kamerafahrten durch das düstere Haus. Dazu die hervorragenden Zusammenschnitte ihrer Träume und Visionen mit dem Fernsehprogramm. Auch die musikalische Untermalung, die deutlich macht wie Amalie anfängt an ihrem Verstand zu zweifeln und die Geräusche des Babadooks, sorgen für einen hohen Gruselfaktor.

ba-BA-ba DOOK! DOOK! DOOK!

url2Highlight des Films ist aber das Schauerbuch vom Babadook. Eine Illustration, die mich als Kind nie wieder hätte ruhig schlafen lassen. Das Pop-Up-Kunstwerk, das vom Stil ein wenig an Tim Burton erinnert, hätte alleine schon völlig ausgereicht um den Film zum gruseligste aller Zeiten zu machen. Wie es immer wieder auftaucht, egal wie oft Amelia versucht es loszuwerden, ist unheimlicher als jedes Lampenflackern und jedes Türenknallen. Und dann tauchen auch noch immer neue unheimliche Seiten auf. Hätte der Film auf diese Idee weiter aufgebaut, statt auf die schon zigtausend Mal gesehenen Standard-Schauer-Effekte gegen Ende zu setzten, der Film hätte alles richtig gemacht.

 

Bilder:

thebabadook.com
discoverthebabadook.com

The Babadook
Australien 2014
Kinostart Deutschland: 7. Mai 2015
Regie und Drehbuch: Jennifer Kent
ProduzentIn: Kristina Ceyton, Kristian Moliere
Kamera: Radoslaw Ladczuk
Komponist: Jed Kurzel
Verleih: capelight pictures
Mit: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall
Genre: Horror, Thriller, Drama

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