Demolition

Nach Dallas Buyers Club (2013) und Der große Trip – Wild (2014) ist der aktuelle Film von Regisseur Jean-Marc Vallée Demolition nun der Dritte in Folge, bei dem die Narration auf eine One-Man/Woman-Show setzt und wofür der Regisseur auf die darstellerische Leistung von Hollywoodgrößen setzt. So sah man in Dallas Buyers Club Matthew McConaughey, der sich für die Verkörperung eines HIV-Infizierten extrem abmagerte und dafür sogar einen Oscar erhielt. Nicht weniger anerkennungswürdig wurde Reese Whiterspoon für ihre Darstellung in Der große Trip – Wild für denselben Preis nominiert, wodurch auch dieser Film in dem Rennen um Auszeichnungen eine Rolle spielte. Was diese Filme verbindet, sind persönliche Rückschläge als Ursprung der Narration, aus dessen Tragik jedoch immer etwas Positives erwächst. So entdeckt beispielsweise der egoistische Rodeo-Reiter Ron Woodroof (Matthew McConaughey) durch die Diagonse seine empathische Seite und beginnt, den Menschen, die sich in derselben Lage befinden, helfen zu wollen. Ebenso kann Cheryl Strayed (Reese Whiterspoon), in Vallée´s nachfolgenden Arbeit, durch die alleinige Bestreitung eines Weitwanderwegs, zu sich selbst finden und so mit ihrer turbulenten Vergangenheit abschließen.Demolition_In Demolition begleiten wir den jungen Investmentbanker Davis (Jake Gyllenhaal), der mit seinem Leben sichtlich unzufrieden ist. Um seiner Frau und dem erwarteten Kind ein materialistisch abgesichertes Leben in einem Vorstadtidyll zu ermöglichen, arbeitet er von früh bis spät und hinterfragt seine Tätigkeit dabei niemals. Doch wessen Traum versucht er zu erfüllen? Nach einem tragischen Autounfall, bei dem seine Frau mit dem Ungeborenen ums Leben kommt, werden Antworten auf diese Frage geliefert. Es offenbart sich die Fremdbestimmung der Davis unterliegt und die dazu geführt hat, dass er lediglich mechanisch funktioniert und sich so eine Fassade aufbauen musste, hinter der er den Bezug zu seiner Umwelt längst verloren hat. Schlagartig kann er die Erwartungen, die an ihn gestellt werden, nicht mehr erfüllen. Nicht weniger trauernd als seine Mitmenschen geht Davis jedoch anders mit seinem Schicksalsschlag um, wodurch er auf Unverständnis und Ablehnung stößt. Diese Konfrontationen sind jedoch jene Momente, in denen er sich aus seiner Lethargie befreien kann und die damit seinen Weg zurück zur Selbstbestimmung ebnen.DemolitionhomeAnstatt für alle Taten des Protagonisten Erklärungen zur liefern, setzt Vallée in Demolition verstärkt auf Metaphorik, worin sich dieser Film von seinen vorangegangenen Arbeiten unterscheidet. Es ist die Zerstörung, die der Regisseur als Motiv vorschlägt und die visualisiert wird, indem der Protagonist mit einem Vorschlaghammer seine Küche verwüstet oder mit einem Bulldozer sein Haus bis auf die Grundmauern abreißt. Davis zerschlägt materialistische Oberflächen, die symbolisch für gesellschaftliche Fassaden stehen, hinter denen auch er lange Zeit gefangen war. Szenen, in denen er feinsäuberlich seinen Kühlschrank auseinander baut oder seinen Computer in Einzelteile zerlegt, wirken auf den ersten Blick verstörend und zusammenhangslos. Gesamtfilmisch sind es jedoch jene Einstellungen, in denen sich die wirkliche Aussagekraft entfaltet – Oberflächen durchbrechen, Hinterfragen und so zum Wesensgehalt vordingen. Es sind die Stationen zur Selbstbestimmung, die sich hier abzeichnen und die interpretativ in die Narration integriert werden.
So erwächst auch in Demolition aus der Tragik etwas Positives, wodurch Vallée seiner Linie der letzten Jahre treu bleibt.

Demolition, US 2015, 101′
Regie: Jean-Marc Vallée
Drehbuch: Brian Sipe
Kamera: Yves Bélanger
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Naomi Watts, Chris Cooper
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH
Starttermin in Deutschland: 16.6.2016

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