Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Von Maria Freystein

schicksal

„You don’t get to choose if you get hurt in this world. But you do have some say in who hurts you.“

In diesem Sinne verzichtet die 16-jährige krebskranke Hazel auf jegliche soziale Kontakte und geht nur unter Zwang ihrer Mutter zur Selbsthilfegruppe. Dort lernt sie eines Tages Augustus Waters kennen, der ebenfalls vom Krebs betroffen ist und dadurch bereits ein Bein verloren hat. Was zunächst auf einer vorsichtigen Annäherung basiert, entwickelt sich zu einer einfühlsamen Liebesgeschichte.

Durch die Krankheit kann das Paar keine “normale” Beziehung führen. Hazel ist an eine Sauerstoffflasche gebunden und Augustes leidet unter seiner körperlichen Einschränkung. Dennoch versuchen sie gegen ihr Schicksal zu kämpfen und nutzen ihre Liebe als Chance, jeden Moment ihres gemeinsamen Lebens bewusst und intensiv zu genießen. Schlechte Prognosen und die Allgegenwärtigkeit des Todes brechen immer wieder die euphorisch geladene Stimmung.

Der romantischen Komödie liegt der gleichnamige Roman von John Green zugrunde, welcher 2012 veröffentlicht wurde und auf großen Erfolg stieß. Die filmische Adaption von Josh Boone bleibt nah am Buch, da viele Zitate und Dialoge wortwörtlich übernommen werden und die Geschichte im Film genauso wie im Buch aus der Sicht von Hazel erzählt wird. Im Gegensatz zur sprachlichen Ebene sind sowohl die visuelle Übersetzung als auch die Inszenierung eher durchwachsen.

Interessant ist die Darstellung der Kommunikation zwischen Hazel und Augustus. Da sie sich durch ihre Krankheit nicht regelmäßig sehen können, ist der Kontakt via Handy eine wichtige Verbindung. Die Einblendung des Chat-Verlaufes erzeugt Intermedialität und spielt mit Erfahrungswerten der gleichaltrigen Zuschauer. Schließlich gehört das Chatten zum typischen Teenagerleben und vermittelt ein Gefühl von Liebelei. Ansonsten liefert der Film leider keine aufregenden Kameraperspektiven oder ähnliches, und ist filmtechnisch eher uninteressant.

Negativ fällt die gemeinsame Reise nach Amsterdam auf. Sie ist die Erfüllung Hazels Herzenswunsches, da sie dort den Autor ihres Lieblingsbuches trifft. Die Inszenierung strotzt vor Kitsch und findet ihren Höhepunkt beim Besuch des Hauses der Anne Frank. Das ehemalige Versteck als Erinnerungskomplex transportiert eine Schwermütigkeit, welche durch die Darstellung der Architektur potenziert wird. Die steilen, hohen Treppen erschweren den Aufstieg für Hazel erheblich. Als das Paar auf dem Dachboden ankommt, ist Hazel völlig erschöpft und zugleich überglücklich. Nun erklingt eine Stimme aus dem Off, welche eine Textpassage aus dem Tagebuch der Anne Frank verliest: „At such moments, I can’t think about the misery, but about the beauty that still remains. Try to recapture the happiness within yourself. Think on all the beauty all around you and be happy.“ Es folgt ein inniger Kuss zwischen beiden. Die Besucher des Museums erstarren und klatschen lautstark Beifall. Die ernste Kulisse in Kombination mit dem Applaus wirken verstörend und überzogen.

Neben diesem heiklen Vergleich balanciert der Film grundsätzlich zwischen Humor und Tristesse, richtet sich an ein junges Publikum und demonstriert der Altersgruppe entsprechend, wie das Schicksal jeden treffen kann. Oder um es mit den Worten des Films zu sagen: „The world is not a wish-granting factory.“

Das Schicksal ist ein mieser Verräter, USA 2014, 125′
Regie: Josh Boone
Drehbuch: Scott Neustadter, Michael H. Weber
Kamera: Ben Richardson
Darsteller: Shailene Woodley, Ansel Elgort, Laura Dern, Willem Dafoe
Verleih: Fox Deutschland

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