Das Fieber

Eine Kritik von Astrid Rieger

Afrika. Vor allem die östlichen Länder südlich der Sahara werden von Malaria beherrscht. Die Krankheit wird durch Stechmücken übertragen und führt – unbehandelt – innerhalb von 3 Tagen zum Tod. Die gefluteten Reis- oder Ziegelfelder, die die Landschaft prägen, sind das perfekte Habitat für die Mücke. Es ist tropisch warm, in den stehenden Gewässern können die Larven ungehindert heranwachsen und es sind immer Menschen in der Nähe, von deren Blut die Mücken leben. Alle 60 Sekunden stirbt in dieser Gegend ein Kind an Malaria. Die Krankheit hat bereits mehr Menschen das Leben gekostet, als alle anderen Krankheiten und Kriege auf der ganzen Welt zusammen genommen.

Katharina Weingartner nimmt uns mit auf eine filmische Reise durch Kenia und Uganda, Gegenden die von der britischen Kolonialzeit geprägt sind. Wir lernen Richard Mukabana kennen, einen kenianischen Biologen, der Proben aus den stehenden Gewässern entnimmt und sie nach Larven untersucht. Rehema Namyalo, eine Heilpraktikerin aus Uganda, setzt sich dafür ein, die Bevölkerung darüber aufzuklären, dass es eine wirksame Prophylaxe gegen Malaria gibt. In der traditionellen chinesischen Medizin ist sie schon seit tausenden von Jahren bekannt: Artemisia annua. Tee aus dieser Heilpflanze befähigt das menschliche Immunsystem, mit Malaria fertig zu werden.

Rehema züchtet die Pflanze, verteilt sie und klärt die Menschen darüber auf. Sie will sie dazu befähigen, sich selbst zu helfen. Dem Pharmakologen Patrick Ogwang ist es sogar gelungen, die Wirkkraft der Pflanze wissenschaftlich nachzuweisen.

Doch es gibt offenbar Akteur*innen, die verhindern wollen, dass dieses Wissen sich ausbreitet. Ein Schweizer Pharmaunternehmen, Hersteller des konventionellen Medikaments gegen Malaria, Coartem, fürchtet um seine Gewinne. Bill Gates investiert in kommerzielle High-Tech-Lösungen und wird von den afrikanischen Regierungen dabei unterstützt. Die Weltgesundheitsorganisation versucht durch Negativ-Propaganda, die Verbreitung der Heilpflanze zu verhindern. Große Gegner also. Sie alle würden es lieber sehen, die durch Kolonialismus und Ausbeutung bereits verarmten und gebeutelten Länder weiterhin im Status Quo der Abhängigkeit zu halten. Denn daraus lässt sich der meiste Profit schlagen. Patrick Ogwang bringt es auf den Punkt: „Wenn wir Afrika von Malaria befreien, befreien wir Afrika von der Armut.“

Katharina Weingartners Film konzentriert sich mit der Auswahl seiner Protagonist*innen bewusst auf Menschen aus Afrika, die selbstbestimmt nach Lösungen für die Probleme in ihrer Umgebung suchen. Er verzichtet auf Stimmen aus der “westlichen Welt” bzw. der nördlichen Hemisphäre sowie auf eine paternalistische Grundhaltung.

Die Kamera, von Hand gehalten, haftet sich ans Leben, beobachtet aus nächster Nähe und fühlt mit. Kontrastierend dazu ruht sie auf Landschaften und überblickt belebte Plätze.
Stellenweise hat der Dokumentarfilm ein paar Längen und man könnte auf einige Filmminuten zugunsten von Konzentration verzichten.

Aber das Thema ist aufrüttelnd und relevant. Es ist der sprichwörtliche Kampf von David gegen Goliath. Hoffen wir, dass David den Riesen bezwingt. Denn Unzählige von Menschenleben stehen auf dem Spiel.

Das Fieber, AUT, D, CHE 2019, 99 Min.
Regie & Drehbuch: Katharina Weingartner
Kamera: Siri Klug
Verleih & Bildrechte: pooldoks

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