Dancing in Jaffa

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„When a person dances with another person, something happens.“

Mit dieser Aussage beginnt der Dokumentarfilm Dancing in Jaffa von Hilla Medalia. Gemeinsam mit seiner langjährigen Tanzpartnerin Yvonne Marceau gewann der international renommierte Tänzer Pierre Dulaine zahlreiche Preise und gründete 1994 das soziale Tanzprojekt „Dancing Classrooms“. Mit Ursprung in New York hat sich dieses besondere Programm an verschiedenen Schulen weltweit etabliert. Die sogenannte Dulaine-Methode beschränkt sich nicht auf den Tanzunterricht, sondern soll Kindern verschiedener Altersgruppen und sozialer Schichten die Bedeutung von Respekt, Vertrauen, Selbstbewusstsein und Toleranz vermitteln. Tanzen ist also eher der Ausgangspunkt und ein Hilfsmittel, um den Kindern diese Werte auf ungezwungene Weise näherzubringen. Dancing in Jaffa begleitet Pierre Dulaine bei seinem Vorhaben, dieses Projekt auch an seinem Geburtsort Jaffa durchzuführen – eine Stadt, in der Menschen mit jüdischen und arabischen Wurzeln leben und der Konflikt zwischen Religionen und Kulturen allgegenwärtig ist.

Dulaine beginnt sein Tanzprojekt zunächst separat an einigen Schulen der Stadt und führt die Kinder anschließend zusammen, um ihnen ein Verständnis füreinander beizubringen. Ihr gemeinsames Ziel wird ein Tanzwettbewerb sein, an dem israelisch-palästinensische und israelisch-jüdische Kinder in bewusst gemischten Konstellationen teilnehmen sollen. Als die Kinder der verschiedenen Schulen zum ersten Mal aufeinander treffen, werden die Schwierigkeiten in ihrem Umgang miteinander deutlich. Ihre Verhaltensweisen zeigen die Selbstverständlichkeit, mit der Vorurteile und gegenseitige Ablehnung in ihren Köpfen verankert sind. Für sie ist es normal, Abstand zu halten und eine klare Trennung zu bewahren. Mit Empörung stellen sie fest, dass sie die anderen Kinder tatsächlich anfassen sollen, um mit ihnen zu tanzen. Solche Momente verbinden humoristische Inszenierungen mit eigentlich traurigen Tatsachen, genauso wie eine Unterhaltung, die die Ursprünge der Ablehnung indirekt anspricht. „Wenn mein Vater mich mit einem Araber tanzen sieht, bringt er mich um“, sagt ein Mädchen halb scherzend, halb ernsthaft zu ihrer Freundin.

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Gemeinsam mit den LehrerInnen und mit ein wenig Hilfe von Yvonne Marceau schafft es Pierre Dulaine schließlich, die Kinder von seinem Projekt zu überzeugen und eine Atmosphäre der Annäherung aufzubauen. Dabei wird vor allem am Beispiel der 11-jährigen Noor gezeigt, wie sehr das Tanzen und der Kontakt zu anderen Kindern nicht nur ihr Verhalten, sondern auch ihre gesamte Einstellung beeinflussen. Während Noor zu Beginn des Films verschlossen und aggressiv ist, blüht sie während des Unterrichts auf, entdeckt sogar eine Leidenschaft und ein Talent fürs Tanzen und schließt neue Freundschaften. Der Fokus wird auf drei Einzelgeschichten gelegt, die stellvertretend die Entwicklung fast aller Kinder verdeutlichen sollen. Aber natürlich ist dieser betont positive Ausblick nicht automatisch als Garantie für bleibende Veränderungen zu betrachten. Den israelisch-palästinensischen Konflikt aus der Perspektive von Kindern zu zeigen, bringt die Schwierigkeit mit sich, einen Lösungsweg allzu vereinfacht erscheinen zu lassen. Fast zu schön, um wahr zu sein, ist die Entstehung neuer Freundschaften und die zunehmende Toleranz füreinander. Dennoch bemüht sich Hilla Medalia um einen sensiblen Umgang mit diesem schwierigen Thema. Die Botschaft des Films ist letztendlich simpel und schon im eingangs zitierten Satz deutlich: Beim Tanzen passiert etwas zwischen Menschen und genau deshalb kann Tanzen etwas verändern, sei es eine selbstbewusstere Haltung, gesteigerter Respekt für andere oder das Entstehen von Vertrauen. Tanz kann in diesem Sinn stellvertretend für jede Form von Kommunikation und Interaktion gesehen werden, die eine Basis für weitere Entwicklungen bildet. Und dabei muss es nicht um endgültige Lösungen gehen, sondern vielmehr um einen ersten Ansatz, um die Präsentation einer anderen Perspektive, welcher man sich anschließend öffnen kann oder auch nicht. Das wirklich Interessante an Dancing in Jaffa ist deshalb weniger der etwas zu rosig wirkende Ausgang, sondern vielmehr der wichtige Prozess des Öffnens und dessen Möglichkeiten.

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Dancing in Jaffa, USA 2013, 90’
Regie: Hilla Medalia
Drehbuch: Philip Shane, Hilla Medalia
Produzenten: Diane Nabatoff, Neta Zwebner-Zaibert, Hilla Medalia
Kamera: Daniel Kedem
Schnitt: Philip Shane, Bob Eisenhardt A.C.E
Protagonisten: Pierre Dulaine, Yvonne Marceau, Noor Gabai, Alaa Bubali, Lois Dana, Rachel Gueta
Verleih: MFA/Filmagentinnen
Kinostart: 09.01.2014

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