Cheol won gi haeng

Endlich im Ruhestand, endlich ein Grund zum Feiern! Sung-geun, Lehrer an einer koreanischen Oberschule, wird pensioniert und im Rahmen dieser Feierlichkeiten kommt auch seine Familie nach langer Zeit wieder einmal zusammen. Vom reichlich fließenden Alkohol merkt man jedoch nichts mehr als Sung-geun ausgerechnet bei dieser Gelegenheit klar und deutlich verkündet, dass er die Scheidung einreichen möchte. Gerade jetzt aber ist eine Trennung, im wahrsten Sinne des Wortes, aufgrund von anhaltenden Schneefällen nicht möglich und die Familie rückt im Gegenzug, zumindest physisch, näher zusammen. Es versteht sich von selbst, dass solch eine Situation auf Dauer nicht reibungslos bleibt. Wer jedoch annimmt der Film interessiere sich für das Innenleben seiner Figur, der irrt. Kim Dae-hwan vollführt mit seinem neusten Film keine durchdringenden Charakterstudien, sondern untersucht die Familiendynamik ausschließend anhand dessen, was tatsächlich sichtbar wird; anhand dessen, was das Medium Film überhaupt nur zu dokumentieren vermag.

Der Hang zur Äußerlichkeit macht sich nicht zuletzt an der innerfilmisch prominenten Stellung des Fotografierens bemerkbar. Inmitten unbehaglicher Alumni-Treffen und fast menschenleerer Schulhallen ist es immer wieder die Fotografie, worauf die Figuren wie auch der Film selbst insistieren. Doch gerade in der filmischen Aufzeichnung fotografischer Praxen wird auch das Moment deren Inszenierung, des Aufsetzen eines Lächelns evident und in wiederholten Schnappschüssen ad absurdum getrieben. Cheol won gi haeng entdeckt die filmische Struktur in deren Außensicht und feiert die Errettung einer äußeren Wirklichkeit.

Cheol won gi haeng, KR 2014, 99’
R: Kim Dae-hwan
Sektion: Forum; weiterer Termin am 15.2.

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