Butter on the Latch (Berlinale)

Sektion: Forum / Regie: Josephine Decker / USA 2014 / 72’

butter

Alles beginnt mit einem beängstigenden Anruf und einer bedrohlichen Situation, die quasi als Vorboten für die folgenden Geschehnisse und Entwicklungen gesehen werden können. Zwei Freundinnen begeben sich in den kalifornischen Wald, um an einem Balkan-Folk-Festival teilzunehmen, über den Vorfall vom Anfang sprechen sie nicht. Verwirrung und Desorientierung entstehen nicht nur durch diese Sprünge in der Handlung, sondern auch durch die spezielle Kameraarbeit, die von konstanter Handkamera und Unschärfen geprägt ist. Wie auch in ihrem anderen Film im diesjährigen Forum (Thou Wast Mild and Lovely) schafft es Josephine Decker, gemeinsam mit Kamerafrau Ashley Connor, auf besondere Weise und fast unbewusst Stimmungen und bestimmte Atmosphären zu erzeugen. Über den Ereignissen liegt ein Schleier der Bedrohung, der Unbehaglichkeit und der Ungewissheit. Die Handlung ist beinahe nebensächlich, vielmehr geht es um die Allgegenwärtigkeit von Mythen und um die Schwankungen einer intensiven Freundschaft, die unvorhersehbar von Zuneigung und Nähe in Eifersucht und Entfremdung umschlägt. Die Dialoge sind dabei komplett improvisiert und geben dem Film durch ihre direkte, schnörkellose Natürlichkeit eine besondere Qualität.

Klingt eigentlich nach einer echten Entdeckung und auf der formalen Ebene trifft das auch völlig zu. Selten sieht man Debütfilme, die es wagen, sich von Konventionen abzuheben und von Anfang an einen eigenen Stil entwickeln. Das Problem ist aber leider, dass Deckers Stil auch von einem starken Hang zum Einbau von Horror- und Psycho-Elementen geprägt ist und dass sie diese nicht unbedingt nach dem Motto „weniger ist mehr“ einsetzt. In ihren beiden Filmen scheint sie sich nicht auf die durch Kameraarbeit und Schauspiel erzeugte Stimmung verlassen zu wollen und baut stattdessen ganze Sequenzen alptraumhafter Natur ein, die mit typischen Schockeffekten auf Bild- und Tonebene arbeiten. Das ist stellenweise sicher effektvoll, wäre aber nicht nötig, um die psychischen Abgründe ihrer Figuren zu verdeutlichen. Zu vieles wird ausbuchstabiert und nimmt der eigentlich interessanten Atmosphäre einen Teil ihrer Ambivalenz.

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