„Brutal, Nasty, and Short“ – Über die Filmreihe The Noir of Felix E. Feist (Il Cinema Ritrovato 2019)

„Brutal, Nasty, and Short“ – mit dieser Überschrift wurde im Programmheft des 33. Filmfests „Il Cinema Ritrovato“ in Bologna die Film Noir-Reihe des US-amerikanischen Regisseurs Felix E. Feist angekündigt; auf den Punkt, knapp und ein wenig reißerisch formuliert. Schon nach der Sichtung des ersten Filmes wurde deutlich, dass es sich dabei nicht einzig um einen aufmerksamkeitserhaschenden Werbetext handelt, sondern um eine treffende Umschreibung ganz im Duktus von Feists Schaffen.

The Man Who Cheated Himself (USA, 1950)

Bereits The Man Who Cheated Himself (USA, 1950) vereint Merkmale, die sich auch in Feists anderen Werken wiederfinden. Innerhalb einer recht kurzen Laufzeit von 81 Minuten entwickelt sich eine rasante Handlung: ohne lange Vorreden ist sofort klar, in welcher Beziehung die Charaktere zu einander stehen, dass beinahe jeder von ihnen dunkle Geheimnisse birgt, und dass eine exakte Aufteilung in gut und böse praktisch unmöglich ist. Es geht um Mord, Betrug und Leidenschaft, wenn zwielichtige Figuren im Zigarettenrauch aufeinandertreffen, und eine Femme Fatale den Protagonisten ins Verderben stürzt. Die Schwarzweiß-Ästhetik trägt dabei deutlich zur dichten Atmosphäre bei. Ein visuelles Highlight bietet die Verfolgungsszene durch einen verlassenen Wachposten gegen Ende des Films, die nicht nur eine tolle Kulisse, sondern auch die Film Noir-typischen Schatten bietet, die sich kontrastreich über die harten Mauern der beunruhigend stillen Festung erstrecken.

 The Devil Thumbs A Ride (USA, 1947)

Die folgenden beiden Filme liefen in einem Double-Feature. The Devil Thumbs A Ride (USA, 1947) und The Threat (USA, 1949) weisen ebenfalls recht kurze Laufzeiten auf. Doch jede zusätzliche Minute hätte die Handlungen nur verwässert und möglicherweise Elemente integriert, die vom eigentlichen Geschehen abgelenkt und somit das hohe Tempo, mit dem Feist vor allem in The Threat keine Atempause zulässt, unnötig gedrosselt hätten. Schließlich ist es die Schnörkellosigkeit der beiden Filme, die zu unterhalten weiß, denn visuell ist die Gestaltung – leider – wenig ausgeschmückt. Wo The Man Who Cheated Himself immerhin Schattenspiele und interessante Kulissen aufweist, gleichen die Filme des Double Features eher Kammerspielen. Doch bevor die begrenzten Handlungsorte und eher flachen Figuren negativ auffallen würden, sind beide Filme auch schon wieder vorbei.

Tomorrow Is Another Day (USA, 1951)

Der vierte Film, Tomorrow Is Another Day (USA, 1951), bildete den Abschluss der Reihe. Durch den Fokus auf eine Liebesgeschichte fiel dieser Film beinahe aus dem Rahmen, aber auch hier sorgen dunkle Geheimnisse und falsche Identitäten für einen Twist, der ein Happy End beinahe unmöglich scheinen lässt. Feist zeigt hier nicht nur Figuren mit mehr Persönlichkeit, sondern auch eine merklich komplexere Handlung. Doch trotz alldem – oder vielleicht gerade deswegen – ist dies der schwächste Film der Reihe. Eine Liebesgeschichte bleibt in den anderen Filmen stets im Hintergrund, in Tomorrow Is Another Day hingegen bildet sie die Haupthandlung, kann aber den Film nicht über seine gesamte Länge überzeugend tragen. Auch sind typische Film Noir-Elemente hier vergebens gesucht. Nichtsdestotrotz sind die 90 Minuten nicht langweilig, was vor allem wie gewohnt daran liegt, dass bis zum Schluss der Fokus einzig auf der Haupthandlung, und nie auf überflüssigen Nebensträngen liegt.

Felix E. Feists Filme haben den rauen Charme alter Groschenromane. Sie sind kurzweilig, durchschaubar und dabei doch unterhaltsam. Durch ihre düstere Atmosphäre, den dichten Zigarettenrauch und die nächtlichen Szenerien haben sie es zudem geschafft, dass sich die heißen Sommertage in Bologna für ein paar Stunden wie verregnete Nächte angefühlt haben.

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