Body

von Walter Lamm

Ein toter Körper hängt an einem Baum in einem abgelegenen Waldstück. Der Tatort ist von Polizisten umgrenzt, Janusz, der Untersuchungsrichter seufzt kraftlos vor sich hin: Nein, er hat es wirklich nicht leicht. Ständig sieht er sich mit grausigen Verbrechen konfrontiert und privat läuft es auch nicht so rund. Seine magersüchtige Tochter ist suizidgefährdet und scheint sich immer weiter von ihm zu distanzieren. Nachdem er anordnet, den Körper loszuschneiden, fällt dieser pietätlos zu Boden kein schöner Anblick. Plötzlich steht der bislang leblose Mann auf und wandert unter den erstaunten Blicken der Polizisten davon. Diese bizarre, einerseits düstere, andererseits komische Szene ist für den restlichen Film wegweisend exemplarisch.

„Body“ fluktuiert zwischen den verstörenden Bildern einer durch einen Säuglingsmord blutüberströmten Bahnhofstoilette und dem comichaften Anblick einer schmächtigen Frau, welche von einem pferdegroßen Hund durch die Straßen gezogen wird. Der schwarze Humor verhindert so stets eine einsetzende Schwermüdigkeit. Vielmehr gelingt es „Body“ der lethargischen Lähmung eines Filmes, welcher sich zu ernst nimmt, auszuweichen und die Zuschauer zur Interaktion mit seinen komplexen Themen einzuladen. Die drei Hauptfiguren kämpfen alle auf ihre Weise mit dem Verlust eines nahestehenden geliebten Menschen: Janusz flüchtet nach dem Tod seiner Frau in seine Arbeit und den Alkoholismus, seine Tochter Olga in die Magersucht und ihre Therapeutin Anna nach dem Tod ihres Kindes in die Esoterik und Geisterbeschwörung.

Der Film schwebt in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Tragik und Komik, Verzweiflung und Hoffnung, Zermürbung und Aufbau, rationalem Wissen und transzendentem Glauben, Distanz und Nähe. Er verflechtet seine antagonistischen Elemente in einem kontrastreichen Netz aus menschlichen Konflikten und Fragen, deren Beantwortung er sich glücklicherweise nicht anmaßt, sondern lediglich durch das Portraitieren unterschiedlicher Personen zu einer Auseinandersetzung mit ihnen anregt.

So ist  auch der Tod eines geliebten Menschen nicht nur das Fundament, auf dem Familien zerbrechen, sondern als geteiltes Trauma auch die Grundlage, auf der die Scherben wieder zusammenkommen.

Body/Ciało, Polen 2015, 90 Min
Regie: Małgorzata Szumowska
Kategorie: Wettbewerb

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