Blickwinkel: Spring Breakers

208559_453732608029948_1310122526_nSpring Breakers (2012) von Harmony Korine läuft seit Donnerstag in den Kinos. Wir haben uns gefragt was ist das? Ein Soft-Porno, eine Teenie-Komödie, ein Hipster-Gummo unter Palmen oder Pussy Riot Exploitation 2.0? Wir sind uns zwar nicht einig und auch nicht so richtig sicher, aber es ist alles viel komplizierter.

 

Spring Breakers
Von Arne Fischer

Nach 92 Minuten Halbstarken-Porno und einem exzessiven Hang zum Fetisch, der vom Kader derart zugespitzt wird … so dürfte spätestens nach zwei Dritteln Film allen bewusst geworden sein, dass es sich mit Spring Breakers nicht um einen klassischen Teenie-Film handelt. Die totale Überzeichnung, aller Ebenen, sei es grelles Neonlicht, die konträre Christen-Gruppe, ständige Zärtlichkeiten innerhalb der Girlie-Clique, der money-and-the-dope-shit-Jargon … die hin und her schwankende Ironie ist unübersehbar.
Die scheiß-geilen Bitches, wie sie im Film von den Typen (hier gibt es kein passendes Äquivalent) genannt und überhöht werden, ermüden sogar den unstillbaren Voyeurismus, da ihre tighten Ärsche in jedes Bild gezerrt werden. Peinlich genau liegt die Aufmerksamkeit entweder auf Nippeln oder ruht im lässigen Schwenk auf den Venushügeln.
Was und mit welchen Augen habe ich diesen Film eigentlich wirklich gesehen?! Als Mann einer klischeebesetzten Zielgruppe, müsste ich mich fragen, ob mir die zärtliche Sex-Szene von Alien (James Franco) im Pool mit den zwei Mädchen Brit (Ashley Benson) und Cotty (Rachel Korine) wirklich einen Befriedigung im Ausgleich zu den vielen homoerotischen Intimitäten der Girlieclique gegeben hat. Besonders, da sich der harte Macker Alien zu diesem Zeitpunkt am Zerfall seiner Heldenposition befindet und er gegenüber den Mädels bejaht, dass er die schlabbrige Badehose gestrichen voll hat. Allerdings möchte man als Standard-Weißer, den schwarzen Sex des Gegenspielers „Big Arch“ (Gucci Mane) mit fülligen Frauen auch nicht unbedingt eintauschen. Die Charaktere wirken allesamt zu verwirrt, um sich in ihrer Rolle wohl zu fühlen. Es soll zum Showdown, zum Kräftemessen zwischen Alien und seinem Rivalen kommen, der einzigen Interaktion des Films zwischen zwei Männern. Und so bleiben wenige weiße Typen als Randerscheinungen übrig, die geringes Identifikationspotential bieten. Es sei denn, man möchte gern einer der hoffnungslos verdrogten und hässlichen Handlanger von Alien sein oder noch unangenehmer, einer der vielen No-Name Party-Boys, die krampfhaft versuchen eine der Spring-Breaker Damen zum Sex zu überreden. Da hilft es, sich auf die stille Beobachterposition zurückzuziehen, um abzuwarten was die Damen aus dem Film machen.
Sind es starke vier Frauen, die in gewaltvoller Manier ein Diner überfallen und ihrem Lover zeigen wer mit geladenen Waffen den Spieß beim Sex umdrehen kann? Dass Alien die zwei Pistolenläufe lutschen muss ist grotesk, aber auch gefährlich für ihn. Zu allerletzt wird er sogar von den beiden Damen gerächt, da er als erstes eine Kugel in den Kopf bekommt und die Mädels wie Killer alle von Big Arch´s Gang umlegen. Sind die intellektuell Frauen aus der Uni nun böse und der einzige sympathische Hauptdarsteller ein Highschool-Dropout, der zwar Geld aber sonst nichts außer pubertäre Probleme hat?!
Achtung, die Inszenierung der Bikinigirls ist kompliziert und ihre Darstellung darf nicht vorschnell verurteilt werden. In Spring Breakers wurden grundlegende Klischees verdreht.

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Ohne Programm
Von Henrik Götte

Spring_Breakers_11_c_MichaelMuller_2013WildBunchGermanyKein Programm, keine Parole. Ein You Tube Video von Kimbo Slice, Langeweile in derUni, Langeweile im Leben, Waffen, Drogen, durchtrainierte Körper, Party, Alkohol, Sex, phosphoreszierende Bikinis, Überfälle, Dub-Step-Mucke, Sonnenuntergänge am Strand, Handschellen, infantile Gespräche über Sehnsüchte und Träume, schrille Farben und diese stylischen pinken Pussy-Riot Masken. Oder sind es Guy Fawkes Masken? Jedenfalls mit Einhorn. Ist aber auch völlig egal, denn das ganze rauf-und-runter-zitieren popkultureller Symboliken ist so öde und langweilig wie das Studentendasein von Faith, Candy, Brit und Cotty selbst. Es gibt nichts, was man nicht kennt in Spring Breakers, nichts was man nicht schon gesehen hat, exzessiver, dramatischer vielleicht auch. Wahrscheinlich sogar. Alle geweckten Erwartungen laufen ins Leere, keine riesen Sause, keine Psychopathen, keine blutrünstigen Massaker, nicht das große Geld und erst recht keine große Freiheit. Und wer keine Lust mehr hat setzt sich in den nächsten Bus und fährt nach Hause, zur Oma oder zurück in die Bibelgruppe. So weit, so langweilig. Neben lustigen Rollenspielen, ein wenig Petting im Pool und dem herumfuchteln mit Geld und Knarren bleibt nichts. Nur Monotonie. Ein bißchen mehr Spring Break als normal ist fast genauso langweilig und gehorcht den gleichen besinnungslosen Gesetzten des selbstverordneten “Fun-habens” wie der normale Spring Break. Spaß ist auch nicht mehr was er noch nie war.

Was Spring Breakers dann letztendlich zusammen hält ist nichts als Negation. Nicht etwa der gesellschaftlichen Konventionen oder ähnlicher Nonsens, dies dem Film anzudichten wäre ähnlich albern wie ewige Suche nach Konsumkritik und anderer belangloser Turnübungen, nein, Spring Breakers verweigert sich jeder pseudomoralistischen Zugänglichkeit. Spring Breakers betreibt das Ausstaffieren von Lächerlichkeiten durch Darstellung. Hohle Charaktere, keine ernsthafte Handlung, dafür aber ein weißer Flügel vorm Sonnenuntergang, alle jaulen Britney Spears und hier mal eine Unschärfe. Mit Knarren und so. Wo es keinen Sinn mehr gibt und sich niemand mehr ernst nimmt, kann man auch nichts mehr kritisieren. Das ist erfrischend und sieht halt cool aus. Wie Werbung. Für porentiefe Reinheit, eine neue politische Bewegung oder ist es einfach nur das nächste Poster in der Küche? Kann man sich aussuchen – ist eh egal.

Spring Breakers, USA 2012, 92′
Regie & Drehbuch: Harmony Korine
Kamera: Benoit Debie
Darsteller: Selena Gomez, James Franco, Vanessa Hudgens, Rachel Korine
Verleih: Wild Bunch/Central
Kinostart: 21.03.2013

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