Blickwinkel “Krampus”

krampus-trailer-bild-2Auch schlechte Filme brauchen Aufmerksamkeit: Krampus von Michael Dougherty im Blickwinkel.

 

Drauss’ vom Walde kommt er her, denn es weihnachtet nicht mehr
Von Christina Wicke

Die Weihnachts Horrorkomödie Krampus zeigt, was passiert, wenn man den Glauben an den Geist der Weihnacht verliert – das allerdings wenig überzeugend.

Krampus beginnt wie die typische Weihnachtskomödie. Gezeigt wird die hektische Weihnachtszeit und insbesondere die der Familie des kleinen Max. Wie jedes Jahr kommt die Familie seiner Tante Linda mitsamt ihren vier Kindern und Tante Dorothy im Gepäck über die Weihnachtsfeiertage zu Besuch. Bürgerliche Vorstadtfamilie trifft auf stereotype Redneck-Familie, die mit ihrer primitiv-provokativen Art alle Klischees erfüllt. Natürlich lassen die Streitigkeiten da nicht lange auf sich warten. Während sich Max‘ Mutter Sarah alle Mühe gibt, sich nichts anmerken zu lassen und krampfhaft versucht ein harmonisches Weihnachtsfest auf die Beine zu stellen, um bloß die bürgerliche Glanzfassade zu wahren, versucht sein Vater Tom seine Frau immer wieder zu beruhigen und versichert ihr, dass ihr Weihnachtsbraten absolut köstlich sei, wohingegen seine Schwester Beth gar nicht erst versucht ihre Abneigung gegen die verhassten Cousinen zu verstecken, die immer weiter von ihrem Vater mit seiner plumpen, unhöflichen Art zu neuen Streitereien angefeuert werden.

Selbst dem Zuschauer fällt es schwer, die schlecht erzogenen und permanent an Spielkonsolen hängenden Kinder zu mögen und auch die leicht einfältigen, klischeehaften Eltern in ihren Weihnachtspullundern regen höchstens zum Kopfschütteln an. Die einzige, die die Situation ein wenig erheitert ist Tante Dorothy, die mit ihren derb-sarkastischen Sprüchen für etwas Situationskomik sorgt.

Kein Wunder also, dass Max die Nerven verliert, als seine Cousinen seinen Brief an den Weihnachtsmann entwenden und vor der gesamten Familie laut vortragen. In seiner Wut zerreißt Max den Brief und wirft ihn in die Nacht hinaus. Doch was er damit anrichtet, wird ihm erst viel später bewusst. Angelockt von der unweihnachtlichen Stimmung der Familie sucht der Krampus, der böse Schatten des heiligen Nikolaus, die Familie über die Festtage heim und nach und nach bekommt jeder seine verdiente Strafe. Während der Krampus – unterstützt von seinen wenig überzeugenden Helfern, die aus animierten Lebkuchenmännchen, Clownspuppen und wildgewordenen Plüschbären bestehen- Tag für Tag ein weiteres Familienmitglied zu sich holt, muss der Rest der Familie doch näher zusammenrücken, um sich zu retten. So kommen sich die Schwestern Linda und Sarah trotz ihrer unterschiedlichen Lebensstile in der Erinnerung an ihre verstorbene Mutter wieder näher und auch Tom und sein Schwager Howard müssen zusammenhalten um ihre Familien zu beschützen, obwohl sie sonst so gar nichts gemeinsam haben.

Doch trotz aller Familienstreitigkeiten und einer merkwürdig-kitschigen Opferungsszene des kleinen Max überzeugt Krampus weder als Familiendrama, noch als Horrorfilm oder Komödie. Dazu wirkt der Film einfach zu gewollt. Der Gedanke hinter der Geschichte ist an sich nachvollziehbar und in unserer konsumorientierten Gesellschaft, in der Weihnachten leider immer mehr zur Pflichtveranstaltung für gestresste Familien wird, auch sicherlich angebracht, doch Krampus überzeugt weder mit der Handlung noch mit deren Umsetzung.

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Keine schöne Bescherung
Von Jana Münnig

Weihnachten ist das Fest der Harmonie und Besinnlichkeit? Von wegen. Michael Dougherty zeigt in seiner weihnachtlichen Horrorkomödie Krampus, was passiert, wenn man den Glauben an den Zauber von Weihnachten verliert.

Bei Familie Engel bricht der alljährliche Stress der bevorstehenden Weihnachtstage aus, denn die ungeliebte Familie ist im Anmarsch. Pflichtbewusst gibt sich Mutter Sarah alle Mühe, die glänzende Oberfläche nicht zu zerbrechen, auch wenn die stämmigen Cousins und Cousinen einem den letzten Nerv rauben können. Der einzige, der hier noch an den Zauber von Weihnachten und den Weihnachtsmann höchstpersönlich glaubt, ist der kleine Max. Als seine Cousins und Cousinen ihn jedoch spöttisch mit seinem Wunschzettel aufziehen, zerreißt er diesen wutentbrannt und verschwindet verletzt in seinem Zimmer. Von Weihnachten will nun auch der letzte in diesem Haus nichts mehr wissen. Von so viel Hass und Undankbarkeit angelockt, hat er ohne es zu ahnen, Krampus, den „Schatten des Weihnachtsmannes“, heraufbeschworen.

Die Figur des Krampus beruht auf einer besonders im Alpenraum bekannten Legende, in welcher Krampus, der Begleiter des Nikolaus, ein zotteliges, furchterregendes Wesen ist, das Kinder, die nicht an Weihnachten glauben, bestraft. Er und seine kleinen Helferlein machen das Weihnachtsfest für die Familie zur Hölle. Da wären zum Beispiel die kleinen, hinterhältigen Lebkuchenmänner, ein unter dem Schnee wütendes Raubtier, gruselige Teddybären oder eine Puppe, die stark an Chucky, die Mörderpuppe, erinnert. Als die mysteriösen Vorkommnisse beginnen, ist es die bayrische Großmutter, die die Parallele zu dieser Legende erkennt – und dass es kein Entkommen gibt. Denn Krampus hat schon viele undankbare Familien heimgesucht und kennt keine Gnade. Den „Schatten von Weihnachten“ kann die zerstrittene Familie nur bezwingen, indem sie zusammenhält, doch das stellt sich gar nicht so leicht dar. Es beginnt eine Schlacht mit Lebkuchenmonstern und zum Leben erwachten Teddybären im Haus der Familie bis jeder seine gerechte Strafe erhält. Die Schlüsselfigur ist der kleine Max, der schon bald bemerkt, dass er den Dämon heraufbeschworen hat und bald realisiert, dass er seine Lieben nur retten kann, indem er seinen Glauben wiederfindet.

Selbst für Horrorfilme fallen hier eine fehlende Erzähllogik und dutzende Ideen auf, die nicht recht zusammenpassen wollen. Je mehr bösartige, kleine Kreaturen auftauchen, die die bösen, dicken Kinder entführen und je mehr inhaltliche Leere auftritt, desto mehr fallen die Verfehlungen von Michael Doughertys vorweihnachtlichem Horrorfilm ins Gewicht. Thomas Vorwerk bringt es auf Filmstarts.de gut auf den Punkt: „Krampus ist wie klebriges Lametta oder angeknackster Christbaumschmuck aus zweiter Hand – eine weihnachtliche Enttäuschung.“ Das klischeehafte Motiv des Films ist dennoch nicht grundsätzlich schlecht, trägt es doch eigentlich eine vernünftige Message: Wenn wir in vorweihnachtlichem Stress oder Null-Bock-Stimmung versinken, sollten wir uns auf das Wesentliche besinnen. Und das sind weder große Geschenke noch das Perfekte Dinner. Denn jetzt kennen wir ja die – wenn auch aufgesetzte – Moral von der Geschichte.

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Weihnachtliche Randomness
Von Melanie Bergmann

Krampus von Regisseur Michael Dougherty versucht sich an einem Genremix – ruft dabei aber doch eher Irritation hervor.

Volle Geschäfte, gestresste Menschen und der nervige Familienbesuch: Krampus wirft den Zuschauer in die trubelige Weihnachtszeit und beginnt zunächst wie eine nette Weihnachtskomödie. Eine typisch harmonische, aalglatte Familie mit perfekt vorbereitetem Essen wartet auf die Verwandtschaft und lässt Pleiten, Pech, Pannen und einige Lacher erwarten. Lacher liefert Krampus in der Tat – aber wohl kaum die erwarteten.

Was folgt, ist ein merkwürdiger Genremix. Draußen tobt ein Schneesturm, heraufbeschworen durch den kleinen Max, der nach einem Streit mit den schlecht erzogenen Cousinen wutentbrannt seinen Brief an den Weihnachtsmann zerreißt. Die Wurzel des apokalyptischen Übels: Krampus, eine teufelsähnliche Schreckgestalt nach einer deutschen Sage. Krampus kommt, um Menschen zu bestrafen, die ihre Hoffnung und den weihnachtlichen Glauben verloren haben. Die schwarze Gestalt mit den riesigen Ziegenhörnern hat es nun mit zahlreichen Helfern auf die klischeebehaftete Vorstadt-Familie mit der ungehobelten Verwandtschaft abgesehen und verschleppt die Mitglieder nach und nach. Von hier an vermischt Krampus die vermeintliche Komödie mit Elementen aus Fantasy und Horror.

Tatsächlich erschreckt man sich angesichts des harten Wechsels der Bilder kurz, eigentlich wirkt die Mischung aber eher beliebig. Mühevoll gestaltete Clownsmasken, unheimliche Spielzeuge mit riesigen Zähnen und kleine, kichernde Pfefferkuchenmänner – richtig gruselig ist das nicht, und auch die angstverzerrten Gesichter in Nahaufnahmen sind nicht nachvollziehbar. Auch die
grunzenden Krampusse rufen eher Lacher als Schaudern hervor. Mit schnellen Schnitten und unzähligen Blitzen versucht der Film die Horror-Elemente noch zu verstärken, was das Sehen aber
nur anstrengender macht.

Generell werden auch visuell Elemente vermischt, die nicht so recht zusammenpassen mögen. Computeranimierte Pfefferkuchenmänner und die seltsamen Ungeheuer treffen auf Zeichentrickelemente und geben den Bildern einen ziemlich lächerlichen Anstrich. Und dann ist da noch die geheimnisvolle Oma, die als Einzige in der Familie ausschließlich Deutsch spricht, was wiederum viele Fragen aufwirft, die jedoch unbeantwortet bleiben.

Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass Krampus möglichst viele unterschiedliche Elemente und Genres vermischen will und dabei beliebig wird. Für Splatter-Fans ist der Film zu unblutig, aber auch Fans von Weihnachtskomödien kommen nicht auf ihre Kosten, von den wenigen witzigen Szenen durch die stereotypen Charaktere mal abgesehen. Dagegen wirken die Horror-Elemente deutlich witziger. Am ehesten könnte man Krampus noch als Trashfilm verstehen, doch auch dieser Gattung wird er nicht gerecht. Es bleibt also unklar, welche Zielgruppe der Film genau adressiert. Diese fehlende Positionierung führt schließlich zu mehr Irritation als Begeisterung. Eine aussagekräftige Moral verpasst das Ende dann auch noch – denn eigentlich war doch alles nur ein Traum.

“Krampus”, USA 2015, 98′
Regie: Michael Dougherty
Drehbuch: Michael Dougherty, Todd Casey, Zach Shields
Kamera: Jules O’Loughlin
Darsteller: Toni Collette, Adam Scott, David Koechner, Conchata Ferrell, Emjay Anthony
Verleih: Universal Pictures Germany
Kinostart: 03.12.2015 (alle Bildrechte bei Verleih und Produktion)

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