Blickwinkel: Another Year

Another Year
Von Laura Sophie Culik

Dieser Film bietet eine hervorragende Gelegenheit, sich über das in meinen Augen gravierende Problem der Synchronisation auszulassen. Unglaublich, was da alles schief laufen kann. Man sollte denken, dass es doch nicht so schwierig sein könne, einen Film zu synchronisieren; man benötigt lediglich ein paar des Deutschen mächtige Sprecher, deren Stimmen denen der Schauspieler ähneln, übersetzt die Dialoge sinngemäß ins Deutsche und los gehts. Leider wird genau dies außer Acht gelassen: dass die Stimmen denen der Schauspieler ähneln sollten. In Another Year hört sich jeder einzelne Darsteller, und die befinden sich in eher reiferen Lebensjahren, an wie ein überdrehter Mittzwanziger. Alte Männer haben in der Regel eher tiefe Stimmen. Jim Broadbent alias Tom spricht einen schönen Bass, seine Frau Ruth Sheen alias Gerri hat eine angenehme Altstimme – im Original. Synchronisiert hören beide sich künstlich, eine Oktave zu hoch und in keinster Weise authentisch an. Genau wie alle anderen Figuren des Films leider auch. Vor allem Gerris alkoholfreudige Freundin Mary quiekt und kreischt rum wie ein Teenager beim ersten Discobesuch.

Ein weiterer Aspekt, den die Synchronisation leider hier völlig missachtet hat, ist die Anpassung der Dialoge an den deutschen Sprachgebrauch. Im Deutschen werden Eigennamen nicht oft genannt, genauer gesagt fast nie. Niemand würde auf Deutsch in einer Unterhaltung permanent den Namen seines Gegenübers verwenden. “Hallo Gerri, wie geht es dir? Sieh mal, Gerri, ich habe Wein mitgebracht.” – “Oh, danke, Mary.” – “Ach, keine Ursache, Gerri. Hallo Tom, wie geht es dir?” – “Danke, Mary, es geht mir gut. Und wie geht´s dir, Mary?”. Dieser Dialog klingt auf Deutsch lächerlich, wie eine Parodie der genannten Namen, an denen ja prinzipiell nichts auszusetzen ist. Wenn man jedoch in den 2 Stunden, die Another Year zu meinem größten Bedauern einnimmt, eben diese Namen gefühlte eine Milliarde mal hört und sie die Hälfte aller gesagten Worte auszumachen scheinen, wird man schlichtweg wahnsinnig. Es mag ja sein, dass im Englischen Eigennamen einen höheren Stellenwert haben als im Deutschen und häufiger verwendet werden, aber eben nur im Englischen. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie so etwas den Übersetzern nicht auffallen kann. Die Dialoge werden doch nicht erst bei der Aufnahme das erste Mal durchgesprochen, es muss doch einfach vorher schonmal jemand gemerkt haben, dass das Gesagte irgendwie, wie soll ich sagen, bescheuert klingt. Der Film hätte mir sicherlich auf Englisch weniger missfallen. Aber die Option wird einem im sonst eigentlich ganz schönen Braunschweig ja nicht angeboten.

Generell scheinen Originalversionen von Filmen in Deutschland allerhöchstens in Programm- oder Kommunalen Kinos repräsentiert zu werden. Warum eigentlich? Wir leben in einer vollständig globalisierten Welt, Englisch ist Weltsprache, die jeder in der Schule lernt, Englisch gilt als cool und hip (allein die Wörter “cool” und “hip” beweisen das, sie sind ja englisch), die meiste Musik ist auf Englisch, selbst von deutschen Künstlern – warum dann kein englischer Ton bei englischen/amerikanischen Filmen? Wer will sich denn bitte The King´s Speech, in dem Colin Firth sehr viel mit der englischen Sprache und dem Sprechen zu kämpfen hat, auf deutsch ansehen? Geht nicht das Essenzielle des Films verloren, wenn der wegen seines Stotterns Golden Globe – und bald Oscar-gekrönte Colin Firth garnicht stottert, sondern irgendein lausiger Synchronsprecher? Dann können sie doch gleich den Film mit deutscher Besetzung neu drehen, wie früher. Was bleibt einem also übrig? Richtig, auf die DVD warten. Es ist zum Weinen.

Nochmal zu Another Year: ein Film, der sich anfühlt, als würde man von Schnecken gefressen werden. Langsam, quälend, sinnlos.

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Sprechende Zwischentitel: Another Year
Von Florian Krautkrämer

Nicht gut: rauchen und trinken

Man macht Filme über das, was man kennt. Das ist okay und soll so sein. Kinder reicher Eltern machen Filme über die Probleme reicher Kinder. Der bourgoise Claude Chabrol inszeniert die Bourgoisie mit all ihren Vorteilen und Abgründen (und üppigen Mahlzeiten). François Truffaut hingegen debütierte mit einem Film über seine niedere Herkunft und versuchte später sich und seinen erfolgreichen Aufstieg in “La Nuit Américaine” zu inszenieren. Jean-Luc Godard, Sohn einer Industriellen-Familie, machte das Gegenteil und konzentrierte sich fast obsessiv auf die Arbeiterklasse, wobei er sie eher als Symbol benutzte, als sich wirklich um ihre Sorgen und Probleme zu kümmern. Letzteres ist die Aufgabe von Ken Loach und Mike Leigh, beide stammen auch aus dem Milieu, von dem sie in ihren Filmen erzählen. Wie gesagt, das ist okay.Ich könnte allerdings nicht behaupten, dass mich der “einfache Mann auf der Straße” sonderlich interessiert. Er ist meist konservativ, interessiert sich für Fußball und hat einen schlechten Geschmack. Die Reichen sind nicht besser, sie sind oberflächlich, interessieren sich für Aktien, und können sich nur selten mit etwas Glück einen guten Geschmack leisten. In Horrorfilmen sind es deshalb auch ihre Kinder, die abgeschlachtet werden. Die Filme von Wes Anderson und Sofia Coppola (Kinder sehr reicher Eltern) mag ich, weil sie zwar von ihnen erzählen, aber wissen, dass das allein nicht reicht, weswegen es darin weit mehr als bloß die Welt der Reichen zu entdecken gibt. Nicht so Mike Leigh. Leigh kämpft für Sympathie. Mit jedem Film ruft er mir zu, wie viel ich doch zu entdecken hätte bei seinen Leuten. Ich mag das nicht. Fettige Chips essen (Großaufnahme), nervös Rauchen und Wein trinken (Großaufnahme), schwitzen, banale Dialoge. Und Leighs Regiestil beschränkt sich darauf, die Emotionen durch einfallslose Musik zu unterstützen. Dabei inszeniert Leigh keine Menschen, sondern Zwischentitel. Das ältere Ehepaar im Zentrum des Films (sie heißen Tom und Jerry!) ist verständnisvoll, bewusst und weltoffen (Großaufnahme: Umgraben im Garten). Ihre Freundin ein nervöses Wrack (Großaufnahme: nervöses Drehen der Haare). Ihr Freund ein übergewichtiger Alkoholiker (Großaufnahme: abwesend Blicken). Undsoweiter. Wäre es nicht so lang, man könnte fast lachen. Der Bruder ist in Trauer, weil seine Frau gestorben ist und spricht kaum mehr ein Wort (die Tapete in seinem Haus ist dunkelgrün bis grau, so wie die Farbe seines Gesichts), sein Sohn hingegen gemein und gefühlskalt (er steht für das Böse: ist jung, trägt immer schwarze Kleidung, eine Sonnenbrille und hört Musik über Kopfhörer!! Sein Vater hat natürlich noch Platten im Regal!) Die einzelnen Charaktere bedeuten nicht viel mehr als “gut”, “weltoffen”, “böse”, “dick”, “nervös”, wobei dick und nervös bedeutet, nicht mit sich im Reinen zu sein (rauchen tun hier, klar, übrigens nur die mit Psychoproblem).

Zum Schluss dann noch fettige Haare

Die wirklich Bösen sind jedoch Tom und Jerry, sie umgeben sich absichtlich mit Verlierern, um sie mit Gemüse aus dem eigenen Garten, gut Gemeintem und dem ein oder anderem lockeren Spruch zu versorgen. Damit man nicht merkt, wie jämmerlich auch ihre Existenz ist. Dummerweise nur merkt Leigh das nicht, übernimmt er doch ihre Perspektive und cachiert seinen jämmerlichen Film mit ach so warmherzigen Charakteren.

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Another Year – Die Rückkehr der Realität im Film
Von Christin Ferch

Mike Leigh bietet uns mit seinem Werk Another Year eine fein beobachtete Charakterstudie der Londoner Mittelschicht.

Es werden uns zwei Sorten von Menschen dargeboten:
Zum einen gibt es die glücklichen Menschen wie das alte Ehepaar Tom und Gerry, die sich mit ihrem Leben zufrieden geben. Sie haben Haus, Garten und einen gut erzogenen Sohn.
Zum anderen gibt es aber auch die verzweifelten Menschen, die wir als Mary und Ken, die Freunde des alten Ehepaars kennen lernen. Beide sind Single, wirken nervös und betäuben sich regelmäßig mit Alkohol. Das Haus von Tom und Gerry stellt nach und nach eine warmherzige Zuflucht für die verlorenen Freunde dar.

Der Film Leighs wurde zu Recht gelobt, weil…

wir hier eine detailgetreue Inszenierung authentischer Charaktere sehen. Sie erscheinen uns als gewöhnlich, eben mitten aus dem Leben. Dank der Kameraführung, die sich nahe an den Gesichtern der Figuren hält und jede auch nur winzige Gemütsregung erfasst, können wir jede Emotion mitfühlen. Der Schnitt folgt nicht der Handlung. Der Film nimmt sich bewusst Zeit mit seinen Figuren. So verweilt die Kamera dann noch auf den Gesichtern, obwohl kein Dialog mehr stattfindet.

Es passiert nichts Außergewöhnliches im Film. Daher existiert kein Spannungsbogen im klassischen Sinne, der den Zuschauer in Atem hält. Aber was soll denn auch schon immer groß im Leben passieren? Die Erzählung des Films orientiert sich am echten Leben, weshalb es auch keine actiongeladenen oder dramatischen Szenen geben muss. Es gibt keine kitschige Liebesromanze und keine rasante Verfolgungsjagd. Die Wirkung des Films entsteht allein durch die natürliche Art der Charaktere, sowie deren Beziehungsgeflecht. Der Regisseur bringt auf diese Weise die Realität in den Film zurück.

Dementsprechend sind auch die Dialoge gestrickt. So sind die Selbstbemitleidungen von Mary und Ken irgendwann so nervig, dass man ihnen nicht mehr zuhören will. Aber genauso ergeht es ja auch Tom und Gerry. Oder nehmen wir die Tischgespräche in der großen Runde: Wenn es keinen aktuellen Gesprächsstoff gibt, muss notgedrungen irgendjemand irgendetwas sagen. Und der daraufhin geführte Dialog kann sich banal anhören, ja sogar sehr uninteressant.
Die Dialoge sind absolut alltäglich und somit passend in die Erzählung eingeflochten.

Der Film hält, was er verspricht. Another Year kündigt sich im Vorfeld nicht mit einer dramatischen Handlung an. Was wir zu erwarten haben ist die Erzählung eines ganz normalen Jahres aus dem Leben von Tom und Gerry.
Nicht das jüngere Publikum soll sich hier angesprochen fühlen. Der Film richtet sich explizit an die ältere Generation, die den Charme und Humor des Films verstehen können.

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Another Year
– another film?
Von Anja Neumann

Mit einer gewissen Vorfreude und Neugier geht man an einem Donnerstagabend ins Kino um sich mal wieder einen Film, abseits der Hollywood Blockbuster mit allerlei digitalen Effekten, anzusehen. Man richtet sich auf einen entspannten Abend ein und was bekommt man: einen Kinosaal, der mit gerade mal zehn Personen „gefüllt“ ist, wo man den Altersdurchschnitt erheblich senkt und einen Film, der wirklich sehr entspannend ist…so sehr, dass man der Einschlafgrenze gefährlich nahe kommt.

„[…] Mike Leigh [lässt] den Vorruhestand optimistische Funken schlagen und zeigt seine beiden Helden als Paradebeispiel für eine ganze Generation unternehmungslustiger und tatkräftiger Menschen in fortgeschrittenen Jahren.“ So heißt es in der Filmbeschreibung des Universum Filmtheaters in Braunschweig. Als „Helden“ kann man Tom (Jim Broadbent) und Gerri (Ruth Sheen) vielleicht wirklich beschreiben, denn sie sind das perfekte Paar um die 60 und immer für ihre Familie und Freunde da. Doch wo soll man die Unternehmenslust und die Tatkraft der Figuren erkennen? Bei Tom und Gerri spiegeln sie sich in ihrer Arbeit im Schrebergarten wider, doch bei ihren Freunden Mary (Lesley Manville) und Ken (Peter Wight) überwiegen Selbstmitleid und Unmotiviertheit. Sie lassen sich in jeglicher Hinsicht gehen, trinken und essen im Übermaß und suchen bei ihren Freunden Tom und Gerri Trost und Rat in Beziehungsdingen und bei der Gestaltung ihres öden Lebens. Überhaupt stehen hier die Probleme viel deutlicher im Fokus als das schöne Leben, was man als Mensch mit 60 haben könnte. Ein paar Lacher und fröhlich anklingende Szenen hat der Film wohl, doch die reißen es auch nicht heraus.
Was weiterhin besonders hervorsticht ist der liebenswerte Umgang der Figuren untereinander. Doch, wie sollte es anders sein, werden diese Szenen durch das ständige Erwähnen der Namen in den Dialogen zunichte gemacht. Es kommt einem so vor, als wenn die Angst herrschen würde, man könnte die Namen, der sehr überschaubaren Personen, im Laufe der guten zwei Stunden Filmlänge vergessen. Blödsinn und einfach nur nervig. Ähnlich wie die Musik. War es nicht immer die gleiche melancholische Melodie, die eingespielt wurde? Man hatte zumindest das Gefühl. Langweilig und einfallslos.

Ein Jahr kommt einem hier wie eine Ewigkeit vor und hätte von mir aus gut und gerne auch in eineinhalb Stunden erzählt werden können. Vielleicht sollte sich das nächste Mal doch die Minderheit der Redakteure bei der Filmwahl durchsetzen, so dass zumindest die Chance bestanden hätte mit “Des hommes et des dieux” einen weitaus besseren Film zu sehen.

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Zu viel des Guten – Another Year
Von Jennifer Ament

“Less thinking… more drinking”
Diese Aufschrift trägt das T-Shirt einer Figur aus Mike Leighs neustem Film “Another Year”. Könnte aber auch das Motto des Films sein…

Irgendwie hat man permanent das Gefühl, da soll besonders viel Liebe drinstecken – Liebe fürs Detail, fürs Alltägliche, für gescheiterte Existenzen genauso wie für Hardcore-Gutmenschen. Davon kam bei mir aber nicht viel an. Vielmehr wirkt die gesamte Inszenierung platt und eben zu gewollt. Was Mike Leigh mit seinem Film will, das merkt man schnell. Die Figuren mit ihren alltäglichen Problemen und deren soziales Milieu stehen im Fokus, da bedarf es nicht unbedingt einer großartigen Rahmenhandlung. Ein Konzept dieser Art muss nicht zwingend schlecht oder langweilig sein. Wenn aber jeder Moment dermaßen übertrieben ausgeschlachtet wird, als könnte man die Gegebenheiten nicht auf Anhieb nachvollziehen, dann kann das doch nur nerven.
Auch die Kritiker haben Mike Leighs Anliegen verstanden – mit dem Unterschied, dass die große Mehrheit von diesem Film begeistert ist. Da fragt man sich doch: Hab ich was verpasst oder haben die einfach alle keine Ahnung?

Stellvertretend für eine ganze Reihe positiver Kritiken, möchte ich hier nur kurz Susan Vahabzadeh zitieren, die auf sueddeutsche.de zum Beispiel schreibt: “Das reicht als Ausgangspunkt für einen Mike-Leigh-Film – er ist der Meister des magischen Alltags, alles, was geschieht, geschieht zwischen den Menschen, die er beobachtet, und so erschafft er kleine komische, tief emotionale Dramen, an denen man sich nicht sattsehen kann. Another Year könnte endlos weitergehen, und es gäbe an diesen komplexen, unendlich charmanten Figuren immer noch etwas zu entdecken.”
Also ich hab mich daran ziemlich schnell sattgesehen, die zwei Stunden hätte es dafür nicht gebraucht. Und die “charmanten Figuren” erschienen mir doch eher plump und schnell durchschaubar. Mal ehrlich: ich verstehe auch, dass Ken nicht besonders glücklich mit seinem Leben ist, wenn er nicht permanent versifft, saufend und fressend durchs Bild taumelt. Und er muss sich auch am Tisch seiner ach-so-perfekten Freunde nicht wie ein Schwein benehmen, damit ich verstehe, dass er im Vergleich zu denen der größte Loser ist. Wenn Leigh schon so dick aufträgt, hätte er Ken auch ein T-Shirt à la “Less thinking… more drinking” anziehen können… Moment, da war doch was.
Und dass das Traumpaar Tom und Gerri inmitten all der gescheiterten Figuren platziert wird, damit letztere noch abgewrackter wirken, ist ja schon fast geschmacklos. Um die beiden geht es nämlich eigentlich gar nicht. Sie sind vielmehr Mittel zum Zweck und dienen der Abwertung der anderen, allen voran der verzweifelt-überdrehten Mary.

Will man sich den Film während der Kinovorstellung schön reden, sagt man sich zwischendurch “Ich bin einfach noch zu jung für sowas”. Und tatsächlich wirkten zumindest die älteren Generationen im Kinosaal freudig erregt. Da wurde über jeden Witz mindestens ne halbe Minute dauergelacht. Und wenn Mike Leigh dann sicherheitshalber nochmal ein lachendes Gesicht in Großaufnahme zeigt, was nochmal verdeutlichen soll, dass das jetzt echt lustig war, dann lacht man doch auch gerne direkt nochmal laut los. Nee, danke. Da bin ich doch lieber zu jung für solche Späße. Generell scheint Mister Leigh die Dinge gerne mal so überdeutlich zeigen zu wollen, dass man sich irgendwie blöd vorkommt. Erst erzählt jemand was Lustiges. Das ist dann ganz lustig. Und alle lachen. Damit aber keiner zu kurz kommt, zeigt man einfach nacheinander jeden in der Runde in Großaufnahme beim herzlichen Lachen. Und für den Fall, dass es doch noch nicht alle verstanden haben, wird vielleicht einfach nochmal von vorn angefangen. Zu den visuellen Wiederholungen dann noch gefühlte 20mal den Namen einer Person in einen Satz gepackt und schon hat man Dialoge, die nach spätestens der Hälfte des Films nur noch weh tun. (Das alles ist selbstverständlich übertrieben, aber allein die Tatsache, dass ich es so empfunden bzw. in Erinnerung behalten habe ist doch traurig genug.)

Vielleicht bringen es manche Kritiker auch einfach nicht übers Herz, etwas gegen einen Film zu sagen, der sich so sehr bemüht, gemocht zu werden. Mike Leigh will doch, dass man seine jämmerlichen Persönchen mag, trotz all ihrer Fehler und Macken. Es funktioniert nur eben nicht. Allesamt nerven sie, man kann sich gar nicht entscheiden, ob man die gescheiterten Hobby-Alkoholiker Ken und Mary oder die unerträglichen Gutmenschen Tom und Gerri schlimmer finden soll. Oder vielleicht den langweiligen Sohn Joe mit seiner neuen Freundin Katie, die im Prinzip eine jüngere Version der aufgedrehten Mary sein könnte (angesichts der Tatsache, dass diese sich sowieso ständig an den Sohn ihrer besten Freundin ranmacht, ist das ja fast schon humorvoll).
Mein einziger Lichtblick im Film: Ronnie, Toms Bruder, dessen Frau gerade gestorben ist und der von unserem Vorzeige-Pärchen selbstlos aufgenommen wird. Der ist aber auch in der Londoner Vorortidylle noch genauso grün-grau gefärbt wie in seiner trostlosen grün-grauen Wohnung und gesprächiger wird er auch nicht unbedingt. Ein äußerst angenehmer, gleichgültiger Charakter inmitten all der viel zu lauten, zu überdrehten oder zu guten Menschen.

Another Year, GB 2010, 129′
Regie & Drehbuch: Mike Leigh
Kamera: Dick Pope
Darsteller: Jim Broadbent, Lesley Manville, Ruth Sheen, Oliver Maltman
Verleih: Prokino Filmverleih
Kinostart: 27.01. 2011

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