Blackfish

BlackFish_Plakat_A1_08_Layout 1Die bewegende Dokumentation Blackfish von Gabriela Cowperthwaite erzählt die schockierende Geschichte von Tilikum, einem Schwertwal in Gefangenschaft, der inzwischen mehrere Trainer auf dem Gewissen hat. Doch Schuld hat er keine – die liegt ganz woanders. Nämlich bei Unternehmen wie SeaWorld und uns.

SeaWorld gehört zu den größten Attraktionen in den USA und zieht täglich tausende Besucher in seinen Bann. Neben Delfin- und Robbenshows ist das absolute Highlight einmal Schwertwale in Aktion zu sehen. Spätestens seit Free Willy und dessen tragischem Helden Keiko, der im Film zwar noch die Freiheit erlangte, im wahren Leben aber letztendlich an den Folgen der Gefangenschaft gestorben ist, sind auch die Schattenseiten der Gefangenschaft bekannt. Alle? Nein! Gabriela Cowperthwaite widmet sich in Blackfish genau diesem Thema. Und das sehr ausführlich und direkt. Sie lässt in ihrer Dokumentation ehemalige Waltrainer zu Wort kommen, die inzwischen selbst bereuen jemals Teil dieses Geschäfts gewesen zu sein und ihre Bauäugigkeit und Naivität gestehen.

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Interviewgespräche wechseln sich mit Originalaufnahmen aus den Archiven von SeaWorld und Berichten aus den Nachrichten ab. Cowperthwaite selbst hört oder sieht man nicht. Sie lässt ihren Gesprächspartnern den vollen Raum, lässt sie sprechen, nachdenken, weinen. Aus unterschiedlichen Perspektiven berichten die Trainer von ihrer Zusammenarbeit mit dem Orca Tilikum, dessen Geschichte bis in die 1980er Jahre zurückreicht, als er im Alter von zwei Jahren von seiner Familie getrennt und verschleppt wird. In der Zwischenzeit hat er mehrere Trainer angegriffen und getötet. Konsequenzen hatte das keine und SeaWorld hat diese Attacken geschickt versucht zu vertuschen, um die Gefangenschaft dieser majestätischen Tiere zu rechtfertigen.

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“Der Fehler lag einzig und allein beim Trainer”, rechtfertigt sich SeaWorld in den Nachrichten und auch vor Gericht. Dass der Mensch im Allgemeinen die Schuld daran trägt und nicht der Wal oder gar der Trainer, wird ausgeblendet. Doch Cowperthwaite verdeutlicht die Auswirkungen der Gefangenschaft, Angriffe auf Trainer sind dabei nur ein kleiner Prozentsatz. Nicht nur, dass die Becken viel zu klein sind, auch die Tiere untereinander kommen oft nicht miteinander aus und verletzen sich – zum Teil bis zum Tod. Denn Wale sind wie Menschen, sie kommen aus unterschiedlichen Gebieten und sprechen unterschiedliche Sprachen. Dass es dabei zu Kommunikationsschwierigkeiten und Auseinandersetzungen kommen kann, bleibt nicht aus. Geändert wird dennoch nichts.

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Blackfish gehört zu einer der besten Dokumentationen des Jahres. Sie schockiert, rührt zu Tränen, regt zum Nachdenken an. Cowperthwaite klagt an, appelliert an die Menschen und zeigt, wie Unternehmen wie SeaWorld oder auch der Loro Park auf Teneriffa mit dem Leid der Tiere noch Millionen Dollar verdienen. Was dem Film jedoch fehlt, ist die Darstellung der Gegenseite. Sprecher von SeaWorld standen dem Film nicht zur Verfügung. Wenn man solchen Institutionen dennoch etwas Positives abgewinnen kann oder möchte, dann die Tatsache, dass auch die Forschung aus der Gefangenschaft ihren Nutzen gezogen hat. Die Wissenschaftler konnten Eindrücke vom Verhalten der Tiere gewinnen, die sie in freier Wildbahn vermutlich so nie bekommen hätten. Zudem investieren Unternehmen wie SeaWorld und Co. jedes Jahr Millionen Dollar an Tierschutzorganisationen und Forschungseinrichtungen, auf die letztere wiederum angewiesen sind. Auch wenn es das Leid der Tiere nicht wettmachen kann, sollte diese Seite in einem Film wie Blackfish dennoch erwähnt werden.

Blackfish, USA 2013
Regie: Gabriela Cowperthwaite
Buch: Gabriela Cowperthwaite, Tim Zimmermann
Produktion: Manny Oteyza
Kamera: Jonathan Ingalls, Christopher Towney
Laufzeit: 82 Min.
Verleih: NFP
Kinostart: 7. November

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