Big Bad Wolves

Eine Reihe von Kindesentführungen sind der Aufhänger des Plots, bei denen der Täter auf brutalste Weise vorgeht. Er misshandelt und vergewaltigt seine Opfer, bevor er sie enthauptet und anschließend symbolträchtig im Wald der Polizei überlässt. Den roten Schuh eines Mädchens, der am Entführungsort hinterlassen wird und eine Spur aus Gummibärchen, die die Polizei zur Leiche des Opfers führt, sind dabei märchenhafte Motive, die durch die Anlehnung des Titels Big Bad Wolves an Rotkäppchen noch verstärkt werden. Leider ist die Ernsthaftigkeit des Films schnell verflogen, sobald der mutmaßliche Täter gefunden wird. Im Fokus steht nun nicht länger die Erzählung einer Kriminalgeschichte, sondern der Sadismus des Vaters eines ermordeten Kindes, den er gegenüber dem Verdächtigen aufbringt, um den Vergrabungsort des Kopfes seiner Tochter zu erfahren. Anstatt die Charaktere und die Säulen der Geschichte detailliert zu beschreiben, um den Mordfall aufzuklären, wird die gesamte Handlung ins Absurde und Alberne überführt.
Aus dem anfänglichen Thriller wird so eine komödiantisch anmutende Darbietung nach amerikanischem Vorbild. Cops, die mit ihren Sprüchen eher aus dem Universum von Lethal Weapon stammen könnten und das Foltern, dass der Szene aus Tarrantino´s Reservoir Dogs nachempfunden ist, werden mit plumper Situationskomik geparrt. Amüsante Handyklingeltöne in offensichtlich unpassenden Momenten, Witze über Blähungen und ein Mann, der als Running-Gag auf einem Pferd daher geritten kommt und nach einer Zigarette fragt oder sein brandneues Smartphone thematisiert, wirken vor dem Hintergrund der ernsten Pädophilie-Thematik, die der Film zu Beginn für sich beansprucht, keines Wegs lustig, sondern hinterlassen lediglich einen verstörenden Beigeschmack. Aus diesem Grund funktioniert der Film leider auch abseits der Handlung nicht als Satire, da relevante Themen wie Korruption, Polizeigewalt und Stereotypen im Hinblick auf die gesellschaftliche Heterogenität lediglich beiläufig benannt und gezeigt werden und durch die Inkonsequenz der Erzählung und dem Fokus auf amerikanische Vorbilder in den Hintergrund geraten.

Reihe: Annäherungen – Abgrenzungen: Filme aus Israel
weiterer Termin auf dem Filmfest: 7.11. 21:00
Big Bad Wolves, Israel 2013, 109´
Regie/Buch: Aharon Keshales, Navrot Papushado
Darsteller: Leon Edery, Moshe Edery, Tami Leon
Verleih: Constantin

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