Berlinale-Abschluss

Viele Filme wurden gesichtet, zu einigen davon haben wir kurze Kritiken geschrieben und jetzt ist es an der Zeit, ein Resümee der diesjährigen Berlinale zu ziehen.

Die Top 5 Filme der Daumenkino-Redaktion:

1. Helle Nächte von Thomas Arslan
2. Rudzienko von Sharon Lockhart
3. Mzis qalaqi (City of the Sun) von Rati Oneli
4. Bamui haebyun-eoseo hanja (On the Beach at Night Alone) von Hong Sangsoo
5. somniloquies von Lucien Castaing-Taylor und Verena Paravel
5. Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes von Julian Radlmaier

Helle Nächte (D/N 2017, R: Thomas Arslan)


Persönliche Highlights unserer Autorinnen und Autoren

Ulysses in the Subway (USA 2016, R: Marc Downie, Paul Kaiser, Flo Jacobs, Ken Jacobs, Sektion: Forum Expanded)
Ein 3D-Experiment, das die vielschichtige Klanglandschaft von U-Bahn-Stationen und -Fahrten visualisiert, jeden noch so flüchtigen akustischen Moment im Bild festhält und als einzigartige sinnlich-überfordernde Filmerfahrung in Erinnerung bleibt. Schön auch, dass sich der Film unweigerlich während der unzähligen U-Bahn-Fahrten im Verlauf des Festivals immer wieder selbst ins Gedächtnis ruft, nachwirkt und somit auch lange nach der Vorstellung im Kinosaal präsent bleibt. (Jennifer Ament)

Nach einem Tag mit wenig inspirierenden Filmen, die wenig Anstöße lieferten, war diese Filmerfahrung zu späterer Stunde beeindruckend erfrischend. Interessant ist, wie die “rauschenden” Formen auf der Kinoleinwand scheinbar bekannte Symbolen und Mustern andeuten. Ein wahres Sinnesfeuerwerk, das einem wie ein Eintritt in eine weitere Dimension erscheint. (Kristina Scholz)


Rudzienko (Polen/USA 2016, R: Sharon Lockhart, Sektion: Forum Expanded)
In abgestimmten Naturtableaux sprechen die jungen Frauen Polnisch. Ihrer Stimmfarbe und Sprachmelodie entnimmt man den Schmerz wie auch die Hoffnung, die ihr Leben in der sozialtherapeutischen Jugendeinrichtung charakterisiert – ganz ohne Untertitelung. Jene englische Translation wird nachgeliefert und deckt weitere Ambiguitäten der Dialoge auf. Ton und Bild stehen in einem choreografischen Verhältnis, gleich einem langsamen Walzer mit wechselnder Führung. Die polnische Pop-Schnulze gibt dabei den Takt vor, ihre Melodie bleibt entzogen, doch die Zuneigung ist unübersehbar. (Theodor Frisorger)


Werewolf (CAN 2016, R: Ashley McKenzie, Sektion: Forum)
Neben all den Filmen, auf die man sich im Vorfeld der Berlinale freut (in diesem Jahr waren es für mich Hong Sang-Soos On the Beach at Night Alone und Thomas Arslans Helle Nächte), wird man immer wieder mit Arbeiten überrascht, die einen so beeindrucken, dass sie aus dem „Festival-Rauschen“ hervorstechen.
Einer dieser Filme war in diesem Jahr Werewolf, das Featurefilmdebut der kanadischen Regisseurin und Drehbuchautorin Ashley McKenzie, der die Verwandlung zweier Liebender beschreibt, die gemeinsam versuchen, clean zu werden. Körperlichkeit spielt hier eine zentrale Rolle, die überwiegend in Close-Ups inszeniert wird. Detailaufnahmen von Haaren, Haut und Fingernägeln dokumentieren einerseits das Ergebnis langjährigen Drogenmissbrauchs und andererseits die Veränderung der Persönlichkeit während des Entzugs. Diese dokumentarisch anmutende Fiktion isoliert durch die Kameraarbeit ihre Protagonisten, wodurch die inhaltliche Thematik ebenfalls auf der gestalterischen Ebene reflektiert wird. (Philipp Baumgartner)


Shu’our Akbar min el hob (A Feeling Greater than Love) (Libanon 2017, R: Mary Jirmanus Saba, Sektion: Forum)
Die Wiederaufarbeitung von Geschichte wird in Shu’our Akbar min el hob zur (medien-)reflexiven & politischen Selbstverortung. Was Mary Jirmanus Sabas Film in der Vergangenheit sucht, verarbeitet er zu einer politischen Vision für die Gegenwart. (Philipp Deny)

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