BAD DAY FOR THE CUT

Der irische Farmer Donal lebt zusammen mit seiner Mutter ein eher ruhiges Leben. Eines Nachts dringen unbekannte in das Haus ein und erschlagen die alte Frau. Nachdem ein weiterer Mordversuch am Sohn missglückt und einer der Täter in Gefangenschaft gerät, beschließt Donal seine Mutter zu rächen. Der Film „Bad Day for the Cut“ erscheint zunächst wie ein typischer Revenge-Film, doch im Gegensatz zu den starken Aktion-Helden aus Hollywood, entspricht Donal eher dem Stereotyp eines alten zurückgezogenen Provinzlers. Einer, der nicht genau weiß was Google ist, der seine gewohnte Umgebung nur verlässt, um die Stammkneipe zu besuchen und für den Kleidung einzig einen praktischen Nutzen haben soll.  Schauspieler Nigel O`Neill  spielt seine Figur als mürrischen Einzelgänger, mit trockenem, fast  schon verbitterten Humor. Er ist gutherzig, geht aber auch unerwartet brutal vor. Er foltert seine Gegner mit kühler Gelassenheit und auch wenn es ihn zu deprimieren scheint, nimmt er es in Kauf, dass Menschen sterben. Wie bei der Rache-Thematik üblich, positioniert man sich als Zuschauer*in auf der Seite des Rächers und wünscht sich den Erfolg der Mission. Es ist viel einfacher sich dem Hass auf die Täter anzuschließen und zu schön ist doch die Befriedigung, wenn die fiesen Bösewichte endlich zur Strecke gebracht wurden. Denn sie werden meist auch so inszeniert, dass keine Zweifel daran aufkommen, dass sie ihr Schicksal nicht verdient hätten. Regisseur Chris Baugh spielt stattdessen mit dem Genre und lässt den Rachefeldzug immer fragwürdiger erscheinen und den Humor im Film immer böser werden. Das Prinzip der Vergeltung wird Zusehens ins Absurdum geführt: Ein endloses Spiel ohne Gewinner. Die Figuren, in dem Film zunächst noch eindeutig als Fieslinge inszeniert, werden im nächsten Moment selbst Opfer oder gar zum sympathischen Helfer. Brutale und fiese Männer, sind im nächsten Moment fast schon wieder niedlich in ihrer Hilflosigkeit und Schwäche. Der Film verführt die Zuschauer*innen immer wieder dazu, in die Falle zu tappen die Figuren leichtfertig in Gut und Böse einzuteilen, nur um dann auf brachiale Weise damit zu brechen. Besonders schön ist der Rote Faden, oder besser die roten Fäden, die sich durch die Geschichte ziehen und am Ende in einem großen Netz enthüllter Geheimnisse und Konsequenzen enden. Absurde wiederkehrende Motive, wie die dämlichen Handyklingeltöne der Handlanger, die fortwehrende Inkompetenz von Donals neugewonnen Freund Bartosz (Józef Pawlowski), oder auch die Kreativität der Foltermethoden, verdeutlichen den tragischen Trugschluss, dass mit der erfolgreichen Vergeltung ein Schlussstrich gezogen wäre. Stattdessen führt eins zum Anderen und so ist es nur konsequent, dass die Kinobesucher*innen am Ende mit einem unangenehmen Gefühl zurück gelassen  werden.

Auf dem Braunschweiger Filmfest:

20.10.2017 22:45 C1 Saal 4

Vereinigtes Königreich 2017
Genre: Thriller, Komödie, Action
Regie: Chris Baugh
Cast: Nigel O`Neill, Susan Lynch, Józef Pawlowski, Anna Próchniak
Producer: Brendan Mullin, Katy Jackson
Production Company: Six Mile Hill Productions
Music: James Everett

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