AT WAR

Der Film „At War“ handelt von ArbeitnehmerInnen eines Automobilzulieferers in Südfrankreich, die sich dagegen wehren, dass ihr Standort geschlossen werden soll. Zwei Jahre lang verzichteten sie auf Gelder, die ihnen zustanden und arbeiteten mehr Stunden, als ihnen bezahlt wurden. All dies war Teil eines Abkommens mit dem Unternehmen, damit die Stellen weiterhin erhalten bleiben. Trotzdem droht ihnen nun allen, dass sie ihre Jobs verlieren. Die verzweifelten ArbeiterInnen fühlen sich betrogen und gehen in einen Streik. Zunächst wenden sie sich an die Politik und an Anwälte, in der Hoffnung, dass der Präsident oder der Arbeitsminister und die Gerichte die Schließung stoppen. Doch das Unternehmen scheint zu viel Macht zu haben. Für die Beschäftigten bedeutet dies nicht nur ein Kampf gegen Ungerechtigkeit, auch ihre Existenzen hängen daran.

Regisseur Stéphane Brizé zeigt in seinem Film die Szenen, die sonst niemand zu sehen bekommt. Die Dinge, die außerhalb von Berichterstattungen im Fernsehen stattfinden.  Brizé beleuchtet einfühlsam, was es für die Beteiligten emotional bedeutet, für ihre Arbeitsplätze kämpfen zu müssen und mit der Angst zu Leben sehr wahrscheinlich bald ohne Einkommen und Beschäftigung dazustehen. Der Film wirkt dabei dokumentarisch, obwohl es sich um einen Spielfilm handelt und schafft so eine nachvollziehbare Charakterzeichnung der Protagonisten. Besonders dem spannenden Konflikt zwischen den Streikenden untereinander wird im Film viel Platz gegeben. Sollen sie  immer weiter streiken in der Hoffnung, dass sie den Kampf gewinnen können,  aber auch am Ende riskieren keine Abfindung zu bekommen? Oder für eine höhere Abfindung den KollegInnen in den Rücken fallen?

Denn der Film zeigt auch, wie schwer Solidarität untereinander sein kann, wenn die Streikenden unterschiedlich viel verdienen, Familien ernähren müssen und daher individuell verschieden abhängig von Job oder Abfindungshöhe sind. Unverständnis für den Kampf der ArbeiterInnen kommt aus allen Bereichen der Bevölkerung. Auch das verstärkt den Frust und die Ängste auf Seiten der Streikenden. Zudem kommt noch hinzu, dass die Proteste zunehmend rauer werden und nicht jede *r bereit ist Gegenwehr auch gegen das System an sich zu zeigen. Denn nachdem das Unternehmen die Streikenden immer wieder hinhält und fadenscheinige Ausreden auftischt und man immer wieder als RezipientIn das Gefühl hat, dass die ArbeitnehmerInnen nur verarscht  werden, ist es auch im Film nachvollziehbar, warum die Streikenden auch dann nicht aufhören für ihre Rechte zu kämpfen, als PolizistInnen den Streik nach geltendem Recht beenden wollen. Denn das Gesetzt  scheint nicht mehr gerecht. Während die ArbeitgeberInnen davon nur profitieren, haben die ArbeitnehmerInnen das Nachsehen, immer wieder.

Der Film verdeutlicht, wie schnell Streikende auf einmal kriminalisiert werden und als Unruhestifter hingestellt werden. Gleichzeitig wird aber auch aufgezeigt, wie schnell  Gewaltbereitschaft sich tatsächlich in den Protest einschleichen kann. Denn die Menschen sind verzweifelt und zu recht wütend. Die Entscheidungen haben schließlich Konsequenzen für die Streikenden. Auch  noch lange nach den Ereignissen bekommen das die Beteiligten zu spüren. Brizé entscheidet sich für ein tragisches Ende. Doch auch ohne die letzten etwas sehr pathetischen Szenen, hat der Film die Augen dafür geöffnet, was Arbeitskampf bedeutet und warum wir als Bürgerinnen und Bürger solidarisch mit streikenden ArbeitnehmerInnen sein sollten. Denn daraus macht der Film keinen Hehl: Die großen Bosse und Großverdiener haben erstaunlich viel Macht, Geld und Egoismus und daher sagt uns der Film, wie wichtig Gewerkschaften und das Recht zu streiken eben sind.

 

Frankreich 2018
Sprache: Französisch
Untertitel: Deutsch
Genre: Drama
Regie: Stéphane Brizé
Kamera: Éric Dumont
Buch: Marion Pin
Schnitt: Anne Klotz
Cast: Vincent Lindon, Mélanie Rover, Jacques Borderie, David Rey
Produktion: Philip Boëffard, Christophe Rossignon
Produktionsfirma: Nord-Ouest Films
Musik: Bertrand Blessing
Sound: Hervé Guyader
Verleih: Neue Visionen Filmverleih
Länge: 113 Min.

 

Bild: https://www.filmfest-braunschweig.de/programm/filmsuche/details/at-war-4942/

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