Arabian Nights

Auf dem Filmfest kann man jetzt auch binge-watchen. Die gesamte erste Staffel der israelischen Serie Fauda wurde am Sonntag gegeben. Serien am Stück im Kino zu schauen, ist toll. Das ist zwar keine Erfindung der Berlinale, aber da sie das Format in den letzten Jahren zum reinen Anteasern verkommen hat lassen, indem man nur noch die ersten zwei Folgen einer Serie zeigte, kann das Filmfest das ruhig aufnehmen.
Parallel wurde ein nicht weniger Raum einnehmendes Ereignis gezeigt, und zwar Miguel Gomes’ dreiteiliger sechs Stunden dauernder Film Arabian Nights. Man muss dem Filmfest dankbar sein, dass es alle drei Teile, die nächstes Jahr einzeln ins Kino kommen werden, hintereinander zeigt, dass es diesem Meisterwerk einen Platz gegeben hat, diesem heterogenen Film, der so aussieht, als hätte die Groupe Dziga Vertov Luis Buñuel eingeladen, gemeinsam einen Film zu drehen, kein Film über die portugiesische Wirtschaftskrise, sondern aus dieser Krise heraus, kein revolutionärer Film und kein Märchenfilm, sondern einer über die Gesänge der Buchfinken und die Wespenplage, einer, dem man auch ebenso gerne zwölf Stunden lang zugesehen hätte und der glücklicherweise eher an Our beloved Month of August anschließt denn an Gomes’ letzten Film Tabu.
Aber was für einen Platz wurde ihm gegeben: nicht nur am Ende des Festivals parallel zur Preisverleihung, weil sich eh nur diejenigen für so etwas begeistern, die nicht an Glamour und Rummel interessiert sind, sondern auch im “Roten Saal”, einem Veranstaltungsort, der aufgrund unbequemer Stühle und schlechter Akustik höchstens für einen kurzen Vortrag geeignet ist. Serien im bequemen Multiplex zu zeigen ist eine feine Sache, aber Filme, die nicht nur aufgrund ihrer Länge, sondern auch aufgrund des ungewöhnlichen Formates (ich habe Fauda zwar nicht gesehen, aber um ein ungewöhnliches Format handelt es sich dabei ganz sicher nicht) vom Publikum Geduld und Ausdauer fordern, in einen VHS-Saal abzuschieben, hilft der Sache langfristig sicher nicht. Ein Festival, das zur Eröffnung Abgestandenes wie Alice in Wonderland von Tim Burton oder Die Päpstin zeigt, sollte all seinen Filmen die passende Wertschätzung zuteil werden lassen, und nicht die wenigen Zuschauer, die es überhaupt zu solch einem Ereignis verschlägt dann auch noch dazu einladen, um 17 Uhr gerne auch zur Gala der Preisverleihung zu kommen, wie es der Anmoderater von Arabian Nights getan hat (um 17 Uhr war gerade mal die Hälfte von Gomes’ Film vorbei). Er entschuldigte sich zwar auch für die schlechten Stühle, fügte aber verschmitzt hinzu, er sei mal gespannt, wie viele Zuschauer am Schluss noch da seien. Es waren sechs, den Moderator habe ich dabei nicht mehr gesehen.

Sektion Neues Internationales Kino
As Mil e uma Noites, Volume 1–3, Portugal/F/D/CH 2015, 371’
R: Miguel Gomes
B: Miguel Gomes, Mariana Ricardo, Telmo Churro
Verleih: Real Fiction

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