Andrey Tarkovsky. A Cinema Prayer

Andrei Tarkovsky ist einer der wenigen Regisseure, die trotz eines verhältnismäßig unzugänglichen Œuvres auch im „Mainstream”-Kino als große Künstler zelebriert werden. Dies vermag wohl an verschiedenen Aspekten liegen, den größten Einfluss kann wohl dem besonders persönlichen Wesen seiner Filme attestiert werden.

Die vorliegende Dokumentation von Andrey A. Tarkovsky über seinen Vater versucht ein Licht auf diese Anziehungskraft zu werfen, ohne aber dabei das Mysterium, welches Werke wie Der Spiegel umgibt, zu lösen. So wird in acht Kapiteln und einem Epilog das Leben Tarkovskys anhand seiner Filmveröffentlichungen nachempfunden, wobei sich jeweils immer auf bestimmte Aspekte fokussiert wird, die ihn in seiner Kunst beeinflusst oder beschäftigt haben.

In diesem Punkt liegt auch die große Kraft von Andrey Tarkovsky. A Cinema Prayer. Der Film ist nicht nur eine Dokumentation über den namensgebenden Regisseur, sondern vielmehr eine Diskussion verschiedener Ideen und Gedanken zur Frage „Wie ist Kunst und welche Rolle spielt der:die Künstler:in?“. Beispielhaft ist die Diskussion um Ivans Kindheit, welcher in den Augen Tarkovskys oft missverstanden wurde, infolge er die folgenden enthüllenden Gedanken von sich gab:

Satre defended it [Ivans Kindheit] from a philosophical point of view but for me it wasn’t a defence. It should have been from an artistic point of view because I’m not a philosopher, I’m an artist. His defence was useless to me

Das Wechselspiel verschiedener Narrationen vor dem Hintergrund mal mehr, mal weniger, mal unbekannter Aufnahmen, sorgt dabei für einen ruhigen Rhythmus, durch welchen die Diskussionen eine quasi-meditative Atmosphäre provozieren – das, was im Titel bereits als „Prayer“ angekündigt wurde.

Wenn man die 97 min, die sich der Film nimmt, hinter sich hat, mutet es fast ein wenig ironisch an, dass Tarkovsky in dieser Dokumentation für den Tod des Auteurs plädiert, wo er doch selber einer der beispielhaftesten Regisseure für Gesamtwerk-umspannende, klar definierte Handschriften ist. Vielleicht ist aber genau dies das Schöne an Tarkovskys Kino: Es existiert in einem Zustand der Abstraktion, welches die verschiedenen Perspektiven und Ambivalenzen in sich vereint und daraus etwas Größeres schafft. Dass Andrey Tarkovsky. A Cinema Prayer  dies artikulieren kann, ist eine große, nicht oft gesehene Kunst. Zusammen mit den verschiedenen Ausführungen zu Kunst macht diese Leistung Andrey Tarkovsky. A Cinema Prayer zu einem Film, der sowohl für Tarkovsky-Freunde als auch für allgemein Kunst-Interessierte einen Mehrwert bieten kann.

Italien, Russland, Schweden 2019, 97 min
Sprache: Russisch
Regie: Andrey A. Tarkovsky
Kamera: Alexey Naidenov
Schnitt: Michał Leszczyłowski, Andrey A. Tarkovsky
Ton: Saverio Damiani

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