Andarevia

Eine Gruppe psychisch labiler Erwachsener macht sich auf zu einem dreitägigen Segelturn zu Therapiezwecken. Was dabei alles schief gehen kann, lässt sich leicht ausmalen, wie man einen Film zu diesem Thema versenken kann, davon zeugt Andarevia.
Da sind zunächst die stereotypen Charaktere. Der Film verwendet viel Zeit darauf, die Psychosen ausführlich darzustellen, darüber hinaus verfügen die Personen aber über keinerlei Eigenschaften oder Fähigkeiten. Als dann der Kapitän über Bord geht und sich herausstellt, dass der Exkursionsleiter weder schwimmen noch segeln oder funken kann, verlegt sich der Film endgültig auf das Zelebrieren des Ausnahmezustandes, wobei die Extreme wahlweise durch Weitwinkel, Unschärfen oder laute Toneffekte simuliert werden. Und auch sonst ist der Film formal misslungen. Dem Bemühen um markige Bilder opfert er jegliches sinnvolles Schnittkonzept, von Rhythmus ganz zu schweigen. Zudem ist man immer wieder nah am Mickey Mousing: fast jeder Schnitt, jede Szene versucht die zentrale Tonquelle im Film zu betonen.
Und die Moral von der Geschicht? Nach der Verabschiedung der Autoritätspersonen kommen die Teilnehmer plötzlich selbst prima klar, wenn jede und jeder sich einfach nur ein bisschen zusammen nimmt. Dass die Leute auf dem Schiff dann wie in der Becks-Werbung gefilmt werden, ist genauso wenig überraschend.
Wie hieß es früher im Filmdienst immer: Wir raten ab.

Sektion: Wettbewerb
Italien 2013, 85′
Regie: Claudio Di Biagio

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