Alphabet

„Bei ihrer Geburt sind 98% der Menschen hochbegabt. Nach der Schulzeit sind es nur noch 2%.“

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In seiner Dokumentation Alphabet behauptet Filmemacher Erwin Wagenhofer (We Feed the World), dass in der heutigen Gesellschaft der Wettkampfgedanke stärker ausgeprägt ist, als es die Fähigkeiten für Teamwork und Zusammenhalt sind. Als Wurzel dieses Übels sieht er unser Bildungssystem. Denn dieses stamme noch aus der Zeit der Industrialisierung und hatte im Sinn, den Menschen dem auf Konkurrenz und Wettkampf beruhenden Wirtschaftssystem anzupassen. Anstatt eigene Gedanken zu entwickeln, sollte man gehorsam sein und einfach nur funktionieren. Doch brauchen wir heute wirklich Menschen, deren Gedankengänge in feste Formen gepresst werden? Nach Wagenhofer können Menschen so kaum mehr eigene Lösungswege für Probleme entwickeln und Innovation und Erfindungsreichtum ginge verloren. Als Kind mussten so manche die sorgenvollen Blicke der Eltern ertragen, wenn man in der Schule eine Vier nach Hause gebracht hat oder später lieber Geisteswissenschaften anstatt Maschinenbau studieren wollte. Denn nur der eine richtige Bildungsweg bedeutet Erfolg – oder nicht? Anhand des erfolgreichen Lebens eines Mannes, der nie zur Schule gegangen ist, versucht Wagenhofer aufzuzeigen, dass es auch anders gehen kann. Am Beispiel Pablo Pineda Ferrers, der als erster Europäer mit Trisomie erfolgreich ein Hochschulstudium absolvierte, will er deutlich machen, dass jeder Mensch eine individuelle Form der Intelligenz aufweist. 21038088_20130909122527016.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxx

Diese muss aber bei jedem speziell und von ihm oder ihr ganz freiwillig gefördert werden. Fest vorgeschriebene Lehr-Normen, die entscheiden wer oder was intelligent ist, lassen nach Wagenhofer Begabungen verkümmern, anstatt sie zu fördern. Er führt Einzelbeispiele an, keine Studien oder viele Forschungsergebnisse. Er setzt auf qualitative Methoden anstelle von quantitativen. Gerade daher kommt er nahe an den Menschen heran und wirkt so überzeugend. Der Film gibt aber keine Lösungen vor, er versucht vielmehr wachzurütteln. Er fragt die Zuschauer, ob der ständig vorhandene Wettkampfgedanke den Menschen nicht unglücklich und ängstlich macht. Wir lernen im Film unkonventionelle Wege kennen und sehen dagegen zukünftige Manager, über die wir nur den Kopf schütteln müssen, weil sie uns vorkommen wie Wirtschaftsroboter in einer Welt ohne Vielfalt und Inspiration. Wir stellen wieder etwas in Frage, was schon immer in uns schlummerte. Etwas, was wir in unserer Schulzeit schon einmal dachten, aber unter all dem Leistungsdruck vergessen hatten: Wir erinnern uns daran, wie wir uns ärgerten, wenn die Lehrkraft unsere Gedichtinterpretation schlecht bewertete, weil sie nicht der Lösung im Lehrplan entsprach. Wie wir in Kunst unsere eigenen Ideen denen des Bildungsministeriums unterordnen mussten oder in Mathe Formeln auswendig lernten, ohne den Sinn dahinter zu verstehen. Auch wenn der Film idealistisch sein mag, man fängt an seine Ansichten zu überdenken und wieder zu streiten. Nach dem Film möchte man frei sein und endlich wieder tun, was man selbst für richtig hält. Ob der Film wohl in den Schulen gezeigt werden wird? Ich wäre dafür.21038096_20130909122646756.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxx

Alphabet
Kinostart Deutschland 31.10.2013
Regie: Erwin Wagenhofer
Autor: Erwin Wagenhofer, Sabine Kriechbaum
Produktion: Home Run Pictures
Produzent: Peter Rommel, Viktoria Salcher
Verleiher: Pandora Filmverleih
Kamera: Erwin Wagenhofer
Komponist: André Stern
Genre: Dokumentarfilm

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