All These Sleepless Nights

Hedonismus zur Selbstfindung. In All These Sleepless Nights begleiten wir die beiden Mitzwanziger Krzystof und Michal durch die rauschhafte Welt von Electro-Clubs und Open-Air Partys in der pulsierenden Hauptstadt Polens. Sie machen die Nacht zum Tag, die nicht selten bis in die frühen Morgenstunden reicht. Das ist der Plot. Das Leben der Beiden ist geprägt von wechselnden Sexbekanntschaften, exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum, sowie Pseudo-Philosophischen Gesprächen, die keinesweges charakterlicher Ausdruck der Protagonisten sind, sondern vielmehr ihren zur Normalität gewordenen Rauschzustand feiern. Sie scheinen das Sinnbild einer jungen Generation zu sein, die, am Scheidepunkt vom jugendlichen zum Erwachsenenalter steht und zum flüchtigen Vergnügen greift, um der eigenen Orientierungslosigkeit zu entfliehen.all-these-sleepless-nightsRegisseur und Kameramann Michal Marczak setzt in diesem filmischen Portrait vor allem auf Authentizität und überlagert fiktionale und dokumentarische Elemente. So hat er in seinen Recherchen zu dem Film die beiden Protagonisten auf einer House-Party kennengelernt und sie umgehend in sein filmisches Projekt eingebunden. Krzystof und Michal spielen sich demnach selbst in einer Welt, mit der sie auch in ihrem „richtigen“ Leben bestens vertraut sind. Auf formaler Ebene integriert der Film zudem Amateuraufnahmen, die offenbar aus dem Handy der Protagonisten stammen und die als Authentizitätssignale den Gesamteindruck des Films prägen. Bei allen Partyexzessen, die der Film zelebriert, vernachlässigt er jedoch komplett die Schattenseiten eines solchen Lebenswandels, die für eine authentische Darstellung notwendig wären. Der Kater am nächsten Morgen und die Oberflächlichkeit ihrer Beziehungen werden zwar angedeutet, aber nicht weiter ausgeführt.beachStattdessen konzentriert sich Marczak vor allem auf die auditive und visuelle Ebene. Organisch bewegt sich die Handkamera auf einer Open-Air Party von Person zu Person um zum Strand zu gelangen, an dem eine feiernde Masse barfuß im Sonnenaufgang tanzt. Extradiegetisch untermalt mit Caribou´s „Can´t Do Without You“ wirkt diese Szene eher wie ein Aftermovie von einem Musikfestival, als einem Portrait einer Generation. Vielleicht will uns der Film aber auch genau auf einen solchen Vergleich bringen.

30. Filmfest Braunschweig, Sektion: Neues Polnisches Kino
All These Sleepless Nights, PL/UK 2016, 100′
Regie: Michal Marczak
Buch: Michal Marczak, Katarzyna Szczerba
Kamera: Michal Marczak, Maciej Twardowski
Darsteller: Krzysztof Baginski, Michal Huszcza, Eva Lebuef
Verleih: The Festival Agency

Leave a Reply

  • (will not be published)

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>