Afterlife

Afterlife

Der verschlossene Mózes war für einige Zeit zur Behandlung in einer psychiatrischen Klinik und kehrt zu Beginn des Films zu seiner Familie zurück. Direkt wird klar, dass der junge Mann zu Hause mit einigen dominanten Persönlichkeiten konfrontiert ist, allen voran seinem Vater Janos, Pastor einer kleinen ungarischen Gemeinde. Dieser sagt zwar, er sei froh seinen Sohn zurückzuhaben, nimmt in seinen übrigen Handlungen aber wenig Rücksicht auf dessen Gefühle. Als Janos völlig unerwartet stirbt, wirft dieses tragische Ereignis die familiären Strukturen aus der Bahn und löst in Mózes fast eine Erleichterung aus. Die ist aber nur von kurzer Dauer, denn auf der Beerdigung sieht er seinen toten Vater vor sich und wird ihn von nun an nicht mehr los. Der einst so autoritäre Mann ist nur noch ein verstummter, verwirrter Geist, der scheinbar vom Weg abgekommen ist. Und in typischer trauriger-verlorener-Geist-Manier muss Mózes ihm natürlich dabei helfen, ins nächste Leben überzugehen.

Afterlife beginnt als sozialrealistische Beobachtung durchzogen von schwarzem Humor und zahlreichen bizarren Einfällen. Im Verlauf der Geister-Story verschiebt sich das Ganze etwas mehr ins Übernatürliche und die humorvollen Elemente fallen irgendwie platter aus. Die anfangs noch subtilen alltäglichen Absurditäten werden zunehmend offensichtlicher ausgestellt und verkommen dadurch gewissermaßen zur Massenware. Und auch die Vater-Sohn-Beziehung – die den Kern der Erzählung ausmacht und sich nur Stück für Stück entfaltet – entwickelt sich von einem komplizierten Ausgangspunkt zu einem ziemlich flachen Fazit. Was im Leben nicht funktionierte wird im Tod nachgeholt, ohne dass es den beiden überhaupt bewusst ist. Das ist natürlich ein netter, versöhnlicher Ausgang, der alle Aspekte zum Ende hin hübsch zusammenschnürt, aber viel mehr bleibt leider nicht übrig. Über diese Schwächen der Erzählung kann auch die ideenreiche Bildsprache nicht hinwegtäuschen. Es scheint fast so, als sei die Richtung des ganzen Films irgendwann verloren gegangen, was eine generelle Unbestimmtheit des Stils zur Folge hat und schließlich im totalen Kitsch endet.


Sektion: Wettbewerb
Weiterer Termin auf dem Filmfest Braunschweig: 16.11.
OT: Utóélet, Ungarn 2014, 93’
Regie & Buch: Virág Zomborácz
Kamera: Gergely Pohárnok
Darsteller: Márton Kristóf, László Gálffi

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