Affenkönig

Affenkönig – So heißt der neue Film von Oliver Rihs und der titelgebende Spitzname, der von Wolfgang (Hans-Jochen Wagner) in den 90er Jahren getragen wurde. Wolfgang lädt zu seinem 45. Geburtstag ein – und zwar seine drei Jugendfreunde Viktor (Samuel Vinzi), Ralph (Oliver Korittke) und Martin (Marc Hosemann), die samt Ehefrauen und Kinder, schließlich sind die Drei nun erwachsen geworden und führen ein normales, gutbürgerliches Leben, anreisen, um in seiner neu angeschafften Villa die alten Zeiten noch einmal aufleben zu lassen und seinen anscheinenden Reichtum gebührend zu genießen.

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Begrüßt werden die drei von ihrem alten Freund im Pelzmantel und Blumenkranz, der schon ab der ersten Sekunde mit Rock’n’Roll und einem Sprung vom Balkon in einen Haufen Kartons die Party einzuleiten sucht. Schnell wird klar: Der Affenkönig ist in der Zeit stehen geblieben und nicht erwachsen geworden. Nur sein Alter und Wohlstandsbauch zeugen von den vergangenen Jahren. Und so beginnt das altbekannte Muster: Wolfgang tut alles, um die Vergangenheit noch einmal aufflammen zu lassen, profiliert sich gut und gerne mit knapp begleiteten Frauen, gutem Essen, Drogen und jede Menge Alkohol. Aus Freunden werden Feinde, werden wieder Freunde und man hat zwischen all der Ekstase Zeit um bislang Unausgesprochenes auszutauschen.

So pendelt der Film immer wieder zwischen den durch Rausch und Nostalgie induzierten Grenzerfahrungen à la Fear and Loathing in Las Vegas und den viel zu schnell einsetzenden gutbürgerlichen Sorgen und Normvorstellungen – oberflächliche Fragen des Alters und dem Pflichtgefühl, sich angemessen seiner gesellschaftlichen Rolle zu verhalten, trüben die wenigen großen Momente, in denen sich die Handlung für viel zu kurze Passagen verliert und dennoch Größe zeigen kann.

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Denn der Film traut sich streckenweise einiges, so dass man als Zuschauer mitfiebert und Mut wünscht, dass nicht im nächsten Moment wieder in das spießige Leben samt Frau und Kind zurückgerudert wird, um alltagsphilosophische Diskussionen zu führen und wird leider meist durch den Schnitt in genau diese Szenen enttäuscht. Es hätte mehr Schlüsselmomente bedarft, wie dem spontanen Sex zwischen Wolfang und Martins Frau Ruth (Jule Böwe), der die zwei Protagonisten beschmiert von Essen und Soßen nachts auf dem Küchentisch enden und kurzerhand von Martin erwischen lässt. Schnell folgt eine absurde Attacke seitens Martin mit einem elektronischen Brotschneidemesser, die vom Herausreißen des Kabels abrupt beendet wird, und geht über in eine Verfolgungsjagd zwischen Wolfang und Martin, der geisesgegenwärtig zum bewährten Messerblock griff. Wolfgang schafft es mehrmals in den Aufzug zu entkommen, während Martin ihm über die Treppe folgt, um ihn dann wieder knapp zu verpassen.

Dies stellt gleichzeitig den Höhepunkt der winzigen Nebenhandlung von Ruths sexueller Frustration dar, die sich durch ein kurzes homosexuelles Abenteuer und einem fehlgeschlagenen Versuch der Selbstbefriedigung für uns visualisiert hat. Leider kratzen diese Episoden nur leicht an eine wirklich menschliche und emotional nachvollziehbare Erfahrungswelt Ruths an und bleibt, wie der Rest des Films, an der Oberflächlichkeit haften.

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So werden auch andere Ausbrüche der exzessiven Party zu grob und plakativ gehandhabt, so dass man sich beschallt von Zirkusmusik wiederfindet, während der angehende Vater im ausklingenden Rausch Slapstickeinlagen darbietet.

Dabei bleibt es größtenteils also bei einer klassischen Narrative, in der die drei Freunde aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden, um ihren alten, unveränderten Freund zu besuchen und dabei ihre Freundschaften und Gefühlswelten zu testen und zu hinterfragen, ohne dabei wirkliche Ergebnisse zu erzielen. Erfreulich ist hierbei aber noch, dass es nicht bei dem obligatorischen Happy End bleibt, auf das die Geschichte gefährlich hinaussteuert und das Finale noch einmal mit einen Einblick in die Psyche der Protagonisten überraschen kann. Sonst erfreut man sich nur an den spärlich eingestreuten Partygeschehnissen, die ohne den gutbürgerlichen Inhalten für den älteren Zuschauer ausgekommen wären und einen viel besseren Film ergeben hätten.

Affenkönig, Deutschland 2016
Regie: Oliver Rihs
Drehbuch: Thomas Hess, Oliver Rihs
Kamera: Martin Schlecht
Darsteller: Hans-Jochen Wagner, Samuel Vinzi, Oliver Korittke, Marc Hosemann, Jule Böwe
Verleih: Port au Prince Pictures GmbH
Starttermin: 13.10.2016

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