Aferim!

Ob spätere Generationen ihre Taten kritischer betrachten werden, fragt sich der Hauptmann. Aber da ist es bereits zu spät, da befindet er sich bereits mit seinem Sohn auf dem Rückweg und seine Frage muss mit einem eindeutigen “Ja” beantwortet werden.
Es ist 1835, einige Jahre vor der Beendigung der Versklavung der Roma in der Walachei. Aber noch sind Juden keine Menschen und Zigeuner nennt man aufgrund ihrer dunkleren Hautfarbe “Krähen”. Der Hauptmann war mit seinem Sohn unterwegs, um einen entlaufenen Sklaven wieder einzufangen. Der erste Tag (und die erste Hälfte des Films) besteht aus der Suche, der Misshandlung der Minderheiten und der Anhäufung von Vorurteilen. Der zweite Tag aus der Rückführung und dem Erkennen des Menschlichen im Anderen. Natürlich ändert das für die Situation des Sklaven nichts. So wie auch der Film distanziert bleibt und seine Geschichte (hier durchaus auch im Sinne von Historie) überwiegend im Gespräch entfaltet. Es gibt nur wenige Großaufnahmen, keine Emotionalisierung, Subjektivierung und auch der Sklave bleibt letztendlich eine Nebenrolle. Mit der Schwarz-Weiß-Fotografie in Scope ist der Film so ziemlich das Gegenteil von Steve McQueens 12 Years a Slave. Und auch deswegen unbedingt zu empfehlen.

Aferim! Rumänien, Bulgarien, Tschechische Republik 2015, 108’
R: Radu Jude

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