A mother’s love is forever

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Eine Frage muss man sich beim Sehen von Mama zwangsläufig stellen: Wie viele klassische Elemente a.k.a. ausgelutschte Klischees kann man eigentlich in einen Horrorfilm packen? Andrés Muschietti dachte sich vermutlich „Einfach mal ausprobieren und sicherheitshalber alles reinschmeißen, was geht“. Oder er dachte sich gar nichts dabei. Letzteres erscheint wahrscheinlicher, da er sich mit dieser permanenten Überladung eine potenziell nicht uninteressante Geschichte kaputt macht. Zugegeben, es gibt natürlich auch Innovativeres als zwei kleine Mädchen, die im Wald von ihrem Vater verlassen werden, jahrelang in dieser Umgebung überleben müssen und sich die Waldhütte mit einem Monster / einer ganz speziellen Ersatzmutter teilen müssen. Nach fünf Jahren werden sie gefunden und von ihrem Onkel und dessen Punk-Band-Freundin (Jessica Chastain in lachhafter Perücke) bei sich aufgenommen. Spätestens an diesem Punkt wurde wohl die mentale Checkliste mit allen klassischen Horror-Elementen ausgepackt. Unheimliche Kinder: Check. Verlassene Hütte im Wald: Check. Bösartiger Geist mit Irrenanstalt-Vergangenheit: Check. Unnützer Therapeut / fragwürdige Therapie: Check. Recherche in einer Bibliothek: Check. Menschen, die sich frühestens bei Dämmerung auf den Weg zur verlassenen Waldhütte machen: Check. Dazu wirft man noch zahllose, billige Jump Scares bei jeder Gelegenheit und eine permanente musikalische Untermalung, die effektvoll auch mal lauter werden kann. Same old, same old…
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Wenn im „großen Showdown“ über die letzten 10 bis 20 Minuten des Films die titelgebende Horrorfigur auch noch ausgiebig zur Schau gestellt und immer weiter ausdefiniert wird, stirbt der letzte Funke Fantasie. Auf die Vorstellungskraft der Zuschauer kann man sich schließlich nicht verlassen, da zeigt man doch lieber ganz direkt und plump, was man eigentlich meint. Guter Psycho-Horror sollte anders funktionieren und durch Ungewissheit und Ungeklärtes weiter in den Köpfen der Zuschauer bleiben. Bei Mama allerdings weiß man eigentlich schon nach den ersten Minuten, was Sache ist und die paar Fragen, die noch bleiben, werden so schnell geklärt, dass man gar keine Chance hat, ernsthaft darüber nachzudenken. Wenn der Film dann sein lang gezogenes Ende findet, bleibt rein gar nichts übrig zum Nachdenken. Einzig ein allgemein abwertendes “Was soll das jetzt alles?” könnte einem da noch in den Sinn kommen.

So bleibt das Interessanteste an Muschiettis erstem Langfilm Mama sein zweiter Kurzfilm Mamá, der die Vorlage bietet. In gerade mal drei Minuten erzählt er eine ähnliche Geschichte von zwei Mädchen, die in einem Haus versuchen, vor Mama zu fliehen. Es wird ein extrem komprimierter Blick auf das Geschehen geworfen, ohne konkrete Fragen aufzuwerfen oder Antworten geben zu wollen. Wer also die Essenz einer Geschichte mit schöner Plansequenz, simplen, aber durchaus charmanten Effekten und dem ein oder anderen Schockmoment sehen will, kann auf die Kurzversion zurückgreifen.

Mama, Spanien/Kanada 2013, 100′
Regie: Andrés Muschietti
Drehbuch: Andrés Muschietti, Neil Cross, Barbara Muschietti
Kamera: Antonio Riestra
Besetzung: Jessica Chastain, Nikolaj Coster-Waldau, Megan Charpentier, Isabelle Nélisse
Verleih: Universal Pictures International
Kinostart: 18.04.2013

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