A Long Way Down

39longwaydown1102aEin Film über Selbstmörder – das kann ja nur tiefdramatisch werden. Bei so einem ernsten Thema bitte nur auf die Tränendrüsen zielen und bloß politisch korrekt bleiben! Dies gilt allerdings nicht für A Long Way Down. Regisseur Pascal Chaumeil gelingt es, eine gut gelaunte und trotzdem tiefgründige Komödie aus diesem doch sehr emotionalen und moralisch stark diskutierten Thema zu machen. Die Idee zu der Geschichte stammt aus dem gleichnamigen Roman von Nick Hornby: Vier Menschen wollen sich am Silvesterabend auf einem Hochhausdach das Leben nehmen und treffen so zufällig aufeinander. Dieser schicksalhafte Abend führt zu einer etwas anderen Art von Freundschaft, denn die Gruppe beschließt sechs Wochen später zum Valentinstag gemeinsam Suizid zu begehen. Keinen Tag früher oder später. Damit beginnt ein Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer: Maureen (Toni Collette) hat einen schwerstbehinderten Sohn. Ihr Leben ist daher in vielerlei Hinsicht eingeschränkt. Martin (Pierce Brosnan) war einst ein berühmter Fernsehmoderator, bis die Affäre mit einer Minderjährigen ihn Job und Familie kostete. Jess (Imogen Poots) leidet unter dem unerklärlichen Verschwinden ihrer Schwester und J.J. (Aaron Paul) sagt, er habe Krebs. Warum sie sterben wollen scheint also offensichtlich. Doch es ist zum Glück viel komplexer. a-long-way-down06Ihre Ausreden sind zunächst nur so oberflächlich, um in das schlichte Denkschema der Menschen in ihrem Umfeld zu passen, die ständig über sie urteilen und nur die offensichtlichen Tragödien als Grund für Selbstmordgedanken akzeptieren und verstehen wollen. Vielleicht auch um sich selbst besser zu fühlen, weil ihnen so etwas nicht passiert ist. Dabei gibt es auch Situationen, da ist man unglücklich ohne genau zu wissen warum. Man grübelt über sein Leben nach und ärgert sich über sich selbst, weil man doch glücklich sein müsste. Anderen geht es doch viel schlechter. Trotzdem ist man einfach nur schlecht drauf, motivationslos und unzufrieden. Zum Glück hält so etwas nicht lange an und man vergisst dieses komische Gefühl gleich wieder. Wie wäre es aber, wenn es nicht weggehen würde? Es alltäglich werden würde? Genauso geht es den Charakteren in A Long Way Down. Das menschliche Unglück entsteht nicht nur durch tragische Schicksalsschläge wie Verlust, Krankheit oder dem sozialen Abstieg. Vielmehr machen die dahinter stehende Einsamkeit, die Selbstzweifel oder die eigene Ziellosigkeit das Leben unerträglich. Hier schlägt der Film eine kritische und nachdenkliche Richtung ein.05 Allerdings nutzt der Film dafür lieber die Kunst der Satire als eine Moralpredigt zu halten. Der Film begleitet die Vier auf ihrer Suche nach ihren verborgenen Ängsten und Sehnsüchten, auf der der Zuschauer aber auch viel zu lachen bekommt. Ihre innere Zerrissenheit können sie nur mithilfe dieser außergewöhnlichen und etwas verrückten Gemeinschaft begreifen. Am Ende, so ist zumindest die lebensbejahende Aussage des Films, braucht man ein bisschen Glück, Menschen zu finden, die einen verstehen und einem zu längst vergessenem Spaß und Abenteuer verhelfen, damit sie vielleicht doch den Sinn am Leben wiederfinden. Ernst und Spaß halten sich bei diesem Film gekonnt die Waagschale. So gelingt ein sympathisch positiver Film der zudem mit einem überraschend guten Cast punkten kann. Jede der vier Figuren wächst einem sofort an Herz. Statt depressivem Geheule, locker-leichte Spiellust. Die Charaktere mit ihren charmant menschlichen Fehlern und interessanten Hintergrundgeschichten sorgen für zum Schmunzeln schöne Situationen. Selbst der Charakter der überdrehten und vorlauten Jess ist einfach nur witzig und cool geschrieben und zum Glück gar nicht nervig. Die darstellerische Leistung trägt maßgeblich zu der gut gelaunten Stimmung bei, mit der man den Kinosaal danach verlässt. Ein bisschen makaber vielleicht, wenn man bedenkt, dass es eigentlich um so ein ernstes Thema geht, aber keinesfalls geschmacklos. Kritiker mögen sagen: zu seicht, zu kurzweilig, zu langweilig, zu positiv. Für mich eine gelungene wohlfühl-Komödie mit ganz viel Herz und Verstand.a long way down aaron paul

A Long Way Down
Großbritannien, Deutschland 2014
Kinostart Deutschland: 3. April 2014
Regie: Pascal Chaumeil
Drehbuch: Jack Thorne
Basierend auf: Nick Hornby
Produktion: Wildgaze Films
Ausführende Produzenten: Finola Dwyer
Verleih: DCM Filmverleih
Kamera: Ben Davis
Besetzung: Pierce Brosnan, Toni Collette, Aaron Paul, Imogen Poots, Sam Neill, Rosamund Pike
Genre: Drama , Komödie

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