3 Stunden bayrischer Schmalz

drei-stunden-bigshotDieser Münchener Film von Boris Kunz, durch das Mitwirken mehrerer Absolventen der “Hochschule für Film und Fernsehen” entstanden, portraitiert junge Erwachsene, wie sie romantisch-verpeilt vor Entscheidungsschwierigkeiten stehen.

Isabel und Martin geraten in einem intellektuellen Schlagabtausch über die Ungerechtigkeit von Gen-Food und Arbeiterausbeutung aneinander – und sind drei Jahre später allerbeste Freunde. Künstler Martin steht vor der Premiere seines ersten selbstgeschriebenen Theaterstücks und Isabel muss abwägen, ob sie ihre weltverbessernden Illusionen in Afrika dem längst überfälligen Studienabschluss in Agrarwissenschaft vorzieht.

Der Prolog ist schnell gespannt und so kann man es sich an einem lauen Sommerabend im Freiluftkino mit dem Beziehungspartner im Arm gemütlich machen. Ein Film, in dem die Hauptcharaktere so unbedarft vor dem späteren Leben stehen wie in Away we go von Sam Mendes oder die Wege so verheißend und offen sind wie z.B. Im Juli von Fatih Akin. Eine runde Produktion auf der nächsthöheren Qualitätsstufe einer Abendserie im ZDF.3H_001

Irgendwie passiert folgend durch den gewollten Zufall alles, weshalb sich Isabel und Martin den ganzen Film über verpassen und ihre Gefühle erst allmählich klar werden: Sie sind jung, motiviert und noch nicht sonderlich an Familiengründung interessiert. Das umliegende Flair ist charmant, mit Freunden bestückt, die sympathisch oder ein wenig eigenwillig sind. Die Stadt könnte auch Göttingen oder Marburg heißen, außer dass es dort keinen Flughafen gibt, der als Abschiedsszenario ständig im Hintergrund droht. Leider muss sich der Film den Vorwurf gefallen lassen, mit hervorsehbaren Klischees zu arbeiten, was auf Dauer zu seiner Schwäche wird. Aber nebenbei, es passt so schön ins Katholische hinein, trifft Martin einen alten Mann in weiß, der ihn auf diesem lebenswerten Weg mit einem Bier in der Hand begleitet. Kein deutsches Festmenü, aber 3 Stunden leichte Kost, die munden kann.

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Deutschland, 2012, ~100‘
Regie & Drehbuch: Boris Kunz
Kamera: Martin Niklas
Schnitt: René Loos
Musik: Konstantin Ferstl, Rosalie und Wanda
Hauptdarsteller: Nicholas Reinke, Claudia Eisinger, Peter Nitzsche, Lucy Wirth, Matthias Brenner
Verleih: NFP marketing & distribution
Kinostart: 25.07.2013

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