Seventh Son

Als ich im Kino in der Sneak Preview, noch unwissend was mich erwartet, die erste Szene von Seventh Son sah und der Film damit begann, dass ein großer, prachtvoller, wirklich gut animierter Drache als 3D Effekt auf das Publikum zuflog, freute ich mich wie ein Kind auf diesen Film. Seitdem ich klein bin liebe ich Fantasy-Wesen und die Geschichten über sie. Was das betrifft werde ich nie erwachsen werden. Visuell bot der Film dann auch einiges. Die Monster waren gut gestaltet und die Kostüme eine Augenweide.seventh-son-official-super-bowl-spot-2015-9ea7f024-9715-4bbf-9f8f-da04df6ce66a Doch leider machte die Story alles kaputt. Selbst Kinder dürften diese nichtssagende Geschichte wohl lächerlich finden. Was mich sehr wütend macht. Wieder eine vertane Chance für das Genre. Es könnte sogar der schlechteste Film des Jahres 2015 werden. So etwas Langweiliges habe ich selten sehen müssen. Dabei handelt es sich um die Verfilmung des Fantasy-Kinderbuchs Spook – Der Schüler des Geisterjägers von Joseph Delaney. Ich frage mich, ob das Buch wohl genauso schlecht ist. Immerhin hatte das gute Kritiken bekommen. Protagonist der Geschichte ist der 14-jährige Tom Ward (Ben Barnes). Er ist der siebte Sohn eines siebten Sohns und daher ist es seine Bestimmung, Schüler des Geisterjägers John Gregory (Jeff Bridges) zu werden und die böse Hexe Malkin (Julianne Moore) zu besiegen. Daraufhin gibt es zunächst ein wenig Kampftraining für den Jüngling, eine Reise mit leider wenigen Monstern, die auftauchen und einen Endkampf mit wenig Aktion und das Wichtigste: eine wenig sinnvolle und wenig romantische Love-Story. Das war auch schon alles an Handlung. Nun könnte man den Film einfach als kurzweiligen Schund abtun. Doch leider ist dieser Film auch noch so offensichtlich frauenfeindlich und rassistisch, dass es einem die Sprache verschlägt. 098499.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxAlle „guten“ Helden sind weiß und männlich. Alle bösen Fabelwesen sind schwarze Menschen, Asiaten oder Araber. Dabei hat man das Gefühl, dass auch jedes rassistische Klischee aufgegriffen wurde. Bestes Beispiel: Eine schwarze Frau, die visuell stereotypisch als Afrikanerin gekennzeichnet wurde, kann sich in eine Leopardin verwandeln. Das wäre nicht einmal so schlimm, wenn ihre Figur nicht nur darauf reduziert werden würde. Ihre Absichten oder Gedanken? – Nicht von Interesse. Ihre Rolle beschränkt sich auf sexy aussehen und auf das wilde exotische Objekt, was sie repräsentieren soll. Für die weißen Hauptcharaktere sind die Menschen anderer Kulturen und mit anderen Hautfarben hier nichts anderes als wilde Bestien, die zwar durch ihre zauberhaften Kräfte wunderschön und geheimnisvoll sind, aber letztendlich, weil sie anders sind als die (weißen) Menschen, getötet werden müssen. Im Kino wirken ihre kurzen aber visuell spektakulären Auftritte auf den Zuschauer wie die perfekt inszenierte Zurschaustellung eines fremden Volkes. Eine ärgerliche Ähnlichkeit zu der Völkerschau im 19. Jahrhundert in Europa. Gerade auch, weil die Filmfiguren oft in Käfigen gezeigt werden, umringt von weißen Schaulustigen. Andere ethnische Gruppen werden in diesem Film als Un- oder Untermenschen inszeniert und bilden eine Einheit mit der Tierwelt. Hier auf die Spitze getrieben, indem sie sich gleich selbst in Tiere verwandeln können. Ihnen wird nicht einmal ein richtiger Charakter gegeben. Sie sind das Fremde und müssen am Ende alle abgeschlachtet werden, weil sie eine Gefahr für die zivilisierte Welt darstellen. Genauso wurde Rassismus immer schon gerechtfertigt. 356183.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxIdentifikationsfiguren sind nur die weißen Darsteller. In den Städten der Menschen gibt es tatsächlich nicht einen, der nicht weiß ist. Und das dubioser Weise, obwohl die Stadt architektonisch sehr arabisch aussieht. Der Höhepunkt: Es gibt einen Troll, der auf der „guten“ Seite ist. Er soll wohl dafür stehen, dass nicht jedes Monster böse ist. Komischerweise hat er die hellste Hautfarbe von allen im Film. Umso weißer die Haut, desto stärker ist die Filmfigur im Übrigen auch. So kann Tom der Dorfjunge, der nie richtig kämpfen gelernt hat, zusammen mit einem alten Mann alle diese Wesen ohne Probleme besiegen. Die können sich zwar in Drachen verwandeln, haben riesige Waffen oder sind mit ihrer Armee der weltbesten Assassinen weit in der Überzahl, aber für die beiden weißen Helden ist das gar kein Problem. Obwohl er das beim Training nie hinbekommen hat, kann Tom auf einmal mit einer Axt tödliche Treffer erzielen. Warum kann er das jetzt plötzlich? Es ist die Kraft der heterosexuellen Liebe und natürlich die heroische Kraft der weißen Hautfarbe. Anders lässt sich das nicht erklären. Obwohl Opa Gregory keine Muskeln hat im Gegensatz zu seinem schwarzen Gegner Radu (Djimon Hounsou), besiegt er ihn im Zweikampf. Denn sein Gegner ist eben dumm und kann seine Wut nicht unter Kontrolle halten. Moment mal… Ist das nicht auch ein rassistisches Vorurteil gegenüber Schwarzen? Schon wieder so ein komischer Zufall? 352149.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxBei der Kategorie Geschlecht ist es nicht besser. Solange Frauen sich unterordnen, schwach sind und im Hintergrund bleiben, dürfen sie immerhin existieren. Doch wehe eine Frau wehrt sich gegen ihre zugeschriebene Rolle und widersetzt sich den Machtansprüchen der Männer. Dann sind sie Hexen und müssen verbrannt werden. Die einzig freundlichen Hexen sind dann so schwach, dass sie wiederum von Männern gerettet werden müssen. Sie werden auch nur „gut“, wenn sie sich in einen Mann verlieben und ihre Kraft zugunsten dieses Mannes aufgeben. So ist die Mutter von Tom selbst eine mächtige Hexe gewesen. Für ihre Familie verzichtet sie auf ihre Kraft. Sie wird eine unscheinbare Hausfrau mit langweiligem Leben und gilt damit als positive Figur. Nur weil sie sich entschließt dann doch zu kämpfen und sich demnach als Frau in die Haupthandlung einmischt, wird sie auch gleich aus der Geschichte gelöscht. Starke Frauen sind eben nicht erwünscht. Die einzige überlebende Hexe Alice (Alicia Vikander) ist ein kleines süßes Mädchen, was zwar später auf Kämpferin macht, aber nicht einmal einen Gegner alleine besiegen kann. Sie verliebt sich sofort in den Mann, der ihre Familie ausrotten will. Ihre unlogische Liebesgeschichte zu Tom im Übrigen, quillt nur so über vor Kitsch. 276753.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxAuch kritikwürdig ist, dass es keine Freundschaft zwischen den Frauen gibt. Es findet sich nur Verrat und Hass. Den Bechdel-Test wird der Film so wohl auch kaum bestehen. Auch die bösen Frauen sind eigentlich schwach und am Ende sagt der Film ganz deutlich, was mit solchen Frauen passieren muss: Sie werden ohne Mitleid vernichtet. Dass Schauspieler wie Julianne Moore und Jeff Bridges sich für so einen Film hergeben, ist mehr als traurig. Gerade Moore, die sonst starke und selbstbewusste Frauenrollen spielt (zuletzt ihre Oscar-Nominierung für Still Alice), muss hier nun eine manipulative, bösartige Diva spielen. Daraus hätte man immer noch einen interessanten, vielschichtigen Bösewicht machen können. Es gibt diese Antihelden, die man hasst und gleichzeitig liebt. Aber hier spielt Moore leider nur eine „dumme Bitch“, wie man es hier passend zur Aussage des Films über Frauen ausdrücken kann. Was Angelina Jolie in Maleficent aus der bösen Hexe rausgeholt hat, wird hier komplett wieder zum alten Stereotyp umgekrempelt. Vielen Dank also für diesen rückschrittlichen Mist. Ich bin wirklich keiner, der immer sofort mit der Rassismus/Sexismus Keule schwingen will, aber da haben ein paar Leute wenigstens nicht nachgedacht.

Bilder:

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Seventh Son
USA, UK, Russland 2014
Kinostart Deutschland: 05.03.2015
Regie: Sergei Bodrow
Drehbuch: Charles Leavitt, Steven Knight, Matt Greenberg
Produktion: Legendary Pictures, Universal Pictures
Ausführende Produzenten: Basil Iwanyk, Thomas Tull, Lionel Wigram
Musik: Marco Beltrami
Kamera: Newton Thomas Sigel
Schnitt: Paul Rubell, Jim Page
Besetzung: Ben Barnes, Jeff Bridges, Julianne Moore, Alicia Vikander, Djimon Hounsou etc.
Genre: Fantasy, Abenteuerfilm

 

4 Responses to “Seventh Son”

  1. Mick

    Diese Kritik hat genau so viele Logiklöcher wie der Film.
    Die eindeutig Hellhäutigste ist die “böse” Julianne Moore, und sowohl Hexe Nr 2 als auch deren Tochter entdecken zum Schluss das “Gute” in sich, lehnen sich kämpfend gegen die böse Oberhexe auf und sind dabei mitnichten “schwach” oder “bitches”.
    Den Film mit einer Völkerschau zu vergleichen – ernsthaft? Hauptsache mal wieder die Diskriminierungs-Keule geschwungen. Manchmal ist ein schlechter Film einfach nur ein schlechter Film, lieblos inszeniert und mit flachen Figuren, mit denen man weder mitleidet noch mitfiebert. Die Stereotypie könnte auch einfach nur daran liegen, dass die Vorlage ein Kinderbuch – man muss es wohl “Märchenbuch” nennen – ist, mit stereotypen bösen Hexen, alternden Helden und Bauernjungen, aus denen quasi über Nacht heldenhafte Fighter werden.
    Und nebenbei: Warum sollten sich als kritisch bekannte Schauspieler wie Julianne Moore oder Mimen mit einer Vita wie Djimon Hounsou für einen Diskriminierungs-Film wie hier dargestellt hergeben?

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  2. Josua

    Ja der Film ist von der Handlung relativ einfach und vorherseh bar. Allerdings ist das ganze Rassismuss/ Sexismus Geschwafel von Frau Eck einiges unüberlegter als die die Handlung des Filmes dar stellt, und nur da um auf sich aufmerksam zu machen. ZB ist die weisseste Person immer noch die schlimmste. Wer also Lust auf einen kurzweiligen und sehr gut animierten Film sehen will, sollte in sich unbedingt gönnen. (etwas Fantasy Interesse sollte vorhanden sein). Man muss aber keine Handlungsgenialität wie bei einem shutter island oder Saw erwarten.

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  3. Falko

    Ich muss Miriam in vielen punkten Recht geben. Der Film ist handlungstechnisch echt mies und die meisten Charaktere sind generische Klischees, die man schon in vielen anderen (besseren) Fantasy Streifen gesehen hat. In meinen Augen deutlich schlechter als bspw. “Conan” oder “Hänsel und Gretel – Hexenjäger”, die dem Film von der Aufmachung sehr ähneln. Auch große Schaupieler wie Julianne Moore und Jeff Bridges oder die kurze Nebenrolle von GoT Schauspieler Kit Harington konnten den Karren nicht aus dem Dreck ziehen.
    Man merkt mal wieder wie lieblos sich einige amerikanische Filme an den Kulturen Eurasiens und deren Mythologien bereichern und daraus übermenschliche Klischee Bösewichte machen.
    Die einzigen die deutsche Märchen klauen und ethnische Klischees in ihren Filmen haben dürfen, ist Disney. 😀
    Auch die filmische Darstellung eines (Fantasy) Abklatsches der Inquisition im europäischen Mittelalter hat man in diversen Filmen schon besser gesehen (Der letzte Tempelritter, Red Riding Hood oder Der Name der Rose).
    Der Protagonist wirkte einfach wie der schmächtige, untrainierte Abklatsch des typischen Auserwählten und die Mutter des Protagonisten war überraschend leicht zu töten, obwohl sie der Hexenkönigin scheinbar schonmal ihr wertvolles Amulett vom Hals gerissen hat…
    Alles in allem wurde ich schon schlechter aber meist eher deutlich besser unterhalten.

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