“WORK HARD – PLAY HARD” am 23.04.2012 um 19:00 Uhr

„Work Hard – Play Hard“ oder die Ressource Mensch
Von Florian Reupke

4.0.1Wir zeigen den Film “Work Hard – Play Hard” am Montag den 23.04.2012 um 19 Uhr im Universum in Anwesenheit der Regisseurin.

Der Dokumentarfilm „Work Hard – Play Hard“ gibt Einblicke in die moderne Arbeitswelt, in der das Thema „Human Ressource Management“ einen zentralen, wenn nicht sogar elementaren Stellenwert einnimmt. Gewinnmaximierung, Rationalisierung, der Drang nach immer mehr Leistung sowie die Degradierung des Menschen zu Arbeitsmaterial sind Aspekte, die das heutige Unternehmertum kennzeichnen. Die zunehmende Auflösung der vormals getrennten Bereiche Arbeit und Freizeit, bedingt u.a. durch die heutigen technologischen Möglichkeiten, führt zu einer Dynamik des von Walter Benjamin entwickelten „Kapitalismus als Religion“.
Es stellt sich dabei vor allem die Frage, wie es ein Management schafft ihre Mitarbeiter dahin zu bekommen, dass sie das tun, was das Unternehmen möchte.

Die Regisseurin zeigt zu diesem Zweck Architekten, Manager, Trainer und Coaches bei ihrer täglichen Arbeit; einer Arbeit, die dadurch gekennzeichnet ist, bei minimalen Kosten das Maximum aus den Menschen herauszuholen. In einem ruhigen und zurückhaltenden Stil – der an Arbeiten Harun Farockis erinnert – sowie ohne jegliche Kommentare seitens der Regisseurin eröffnet sich dem Zuschauer aus einer Fülle von 100 Stunden „Rohmaterial“ der ökonomische Totalitarismus am Arbeitsplatz. Dabei wirken die Bilder des als Wohlfühlwelten deklarierten „Workplaces 2.0“ (aus Büros werden „nonterritoriale“ Arbeitsplätze) mitunter kühl und unbehaglich.
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Ein weiterer wichtiger Aspekt der Dokumentation ist die Darstellung der mit Anglizismen gespickten „Business-Sprache“, die durchaus das Potential hat, Unangenehme Dinge zu verharmlosen. Auch die seit dem Wahlkampf von Barack Obama geläufige Parole „Change“ hat nunmehr Einzug in den Kapitalismus gefunden. Assoziierte man zu der Zeit noch demokratische Prozesse mit dem Begriff, predigen heute „change agents“ die „change agenda“; alles muss „leaner“, also „schlanker“ werden. Und die Veränderungsagentin der Deutschen Post würde diesen „kulturellen Wandel“ am liebsten „nachhaltig in die DNA der entsprechenden Mitarbeiter einpflanzen“.
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Ob Assessment-Center, Outdoor-Training für Manager oder das schlichte herunterbeten der Firmenphilosophie; das Gefühl sektenähnlicher Gleichschaltung lässt einen nur schwer wieder los. Der Umstand, dass während des gesamten Films keine Namen von einzelnen Personen genannt werden, lenkt dabei das Augenmerk weg vom Individuum in Richtung des großen Ganzen; Corporate Identity eben….

Die Filmografie der Regisseurin Carmen Losmann lässt schnell erkennen, dass sie dem für das Kino eher untypischen Themenkomplex „Arbeit/Arbeitswelt“ eine hohe Bedeutung zukommen lässt. Noch während ihres Studiums im Fachbereich Film und Fernsehen an der Kunsthochschule für Medien in Köln entsteht ihr erster Kurzfilm „Arbeit am Ende“ (Regie, Drehbuch, Schnitt, Producer; 2005), in dem sie die Telefonzerlegung in einer Caritas-Werkstätte dokumentiert. „Nicht wie jeder“ (Regie, Produzent) – ein Kurzfilm von 2009 – ist ebenfalls im Themengebiet Arbeit anzusiedeln und handelt von Jobbörsen. Mit ihrem preisgekrönten Langfilmdebüt „Work Hard – Play Hard“ – entstanden in Co-Produktion mit dem ZDF und in Zusammenarbeit mit ARTE – setzt sie diese Serie nun fort; eine Bestandsaufnahme der postindustriellen Wissens- und Dienstleistungsarbeit, in der die Ressource Mensch in den Mittelpunkt rückt…

Hier gibt es weitere Informationen zum Film.

Work Hard-Play Hard, Deutschland, 2011, ’94
Regie: Carmen Losmann
Drehbuch: Carmen Losmann
Kamera: Dirk Lütter
Schnitt: Henk Drees
Verleih: Film Kino Text
Kinostart: 12.04.2012

Hier gibt es den Flyer zur aktuellen Staffel der Cinemathek zum Download.

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