“THIS AIN’T CALIFORNIA” am 22.10.2012 um 19:00 Uhr

Am 22.10.2012 um 19 Uhr zeigen wir als ersten Film in der vierten Staffel der Cinemathek die Skater-Doku „This Ain’t California“ im Universum.

Als Geheimtipp gestartet und mittlerweile ein echter Publikumsmagnet – dieser Film gefällt und das liegt nicht zuletzt an seiner facettenreichen Darstellung einer bisher kaum beachteten Jugendkultur. This Ain’t Californiaist eine sehr lebendige Dokumentation über die Skaterszene der DDR, erzählt im Kreis einer besonderen Freundschaft. Nie gesehene Aufnahmen ermöglichen Einblicke in diese Jugendszene und schaffen damit einen völlig neuen Blick auf das Leben in der DDR kurz vor dem Fall der Mauer.

Es ist Anfang der 80iger Jahre als Denis auf Nico und Dirk trifft. Ab diesem Zeitpunkt gab es sie nur noch zu dritt und sie entdeckten gemeinsam ihre Liebe zum Skaten. Ihre Abenteuerlust brachte sie dazu, immer mehr auszuprobieren und die Betonlandschaften der DDR zu ihrem Spielplatz zu machen. Dies forderte viel Erfindergeist, denn ihnen standen weder Skateparks, noch Skateboards zur Verfügung. Humorvoll wird erzählt zu welch kuriosen Einfällen dies führte.
Trotz aller Leichtigkeit und einer humorvollen Erzählweise fehlt This Ain’t California die Ernsthaftigkeit nicht, die sich aus den damaligen Lebensumstände ergeben, denn die Geschichte der Freunde nimmt ein tragisches Ende. Nicht zuletzt aufgrund einer regulierenden Staatssicherheit, die immer wieder versuchte die Skater auszubremsen.

Die Erzählung vereint gekonnt Originalaufnahmen aus der DDR mit animierten und nachgedrehten Szenen und Erzählsequenzen der Ost-Skater. Zum einen ist es diese Kombination des vielfältigen Filmmaterials, zum anderen sind es die eindrucksvollen Aufnahmen der Skater, die diesem Film eine einzigartige Ästhetik verleihen. Auch der kraftvolle Soundtrack tut sein Bestes und geht eine gelungene Verbindung mit den Bildern ein. Er ist eine Zusammenstellung aus Klassikern aus Ost und West, wodurch gleichzeitig eine Brücke zwischen dem Lebensgefühl der Skater, das eher einer westlichen Ideologie entsprach, und dem Leben im sozialistischen Staat geschlagen wird. Einige Songs wurden sogar vom Regisseur für den Film neu produziert.

Tatsächlich erwies sich die Beschaffung der Originalaufnahmen für das Filmteam als kleine Herausforderung. Zum Einen existiert nicht viel Material, dass diese Zeit und diese Szene dokumentiert, zum Anderen waren nicht alle Besitzer von Originalaufnahmen direkt bereit, ihr Material zur Verfügung zu stellen. Dies ist wohl mit ein Grund für die animierten Sequenzen, aber sicher nicht der einzige. Sie tragen ebenso zum eigenen Charakter des Films bei, außderm hat Regisseur Marten Persiel gerne auf diese Darstellungsvariante zurückgegriffen, um die nacherzählten Geschichten nicht wie ein Radiointerview erscheinen zu lassen,wie er sagt. Der mehrfache Dokumentarfilmregisseur hat hierdurch außerdem das Problem umgehen können, dass keine Originalaufnahmen der drei Freunde zur Verfügung standen.

Der Einsatz des Die Verwendung des verschiedenartigen Materials stellt Fragen an das Genre Dokumentarfilm und lässt es in einem spezifischen Licht erscheinen. Auf diese Weise wird auf die unklaren Grenzen des Genres verwiesen.

Dass der Regisseur selbst eine große Leidenschaft zum Skaten hegt, ist nicht zu übersehen. Hier hat es jemand verstanden, das besondere Lebensgefühl dieser Szene zu vermitteln und die Ästehtik des Skatens zu inszenieren. Der Freiheitsgedanke, der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben und das Austesten von Grenzen – dafür steht Skaten, aber bestimmt nicht die DDR. Doch waren die Skater der DDR nicht von politischen Intentionen getrieben, es ging ihnen um eine unbeschwerte Jugend und das vermittelt der Film eindrucksvoll.

This Ain’t California ist schnell und laut und dann doch wieder ganz leise und nachdenklich. In einzigartiger Weise schafft es der Film die Leichtigkeit der Skater darzustellen und dabei gleichzeitig einen kritischen Blick auf die Ideologie und Politik der DDR, im Speziellen der Staatssicherheit, zu werfen.

Kurz gesagt: eine bewegende Geschichte wird erzählt, die unter die Haut geht und bei der die einzigartige Ästhetik des Skatens einen großen Stellenwert ausmacht.

This Ain’t California wurde auf der diesjährigen Berlinale mit dem Preis “Dialogue en Perspektive” ausgezeichnet.

This Ain’t California, Deutschland, 2012, ’90
Regie: Marten Persiel
Drehbuch: Marten Persiel, Ira Wedel
Kamera: Felix Leiberg
Schnitt: Toni Froschhammer
Verleih: Farbfilm
Kinostart: 16.08.2012

Der Flyer zur aktuellen Staffel der Cinemathek zum Download.

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