LIKE SOMEONE IN LOVE am 7.5. um 19 Uhr

TH_AbbasK_webZugegebenermaßen kam ich erst sehr spät mit den Filmen von Abbas Kiarostami in Kontakt. Gemessen an seinem sehr umfangreichen, bunt gemischten Oeuvre, kenne ich lediglich einen Bruchteil. Sich nun retrospektiv durch die Werke des iranischen Regisseurs zu wühlen, dabei auf Formen zu stoßen, die in seinen späteren Filmen wiederholt erscheinen, das ist eine zutiefst heterogene Reise durch ein Sortiment an Kurzfilmen, Dokumentationen, Langspielfilmen und Mischtypen aus letzteren beiden. Darüber hinaus agieren in seinen Erzeugnissen nicht nur Weltstars wie eine Juliette Binoche, sondern sehr oft auch Laiendarsteller, der Authentizität wegen. Es scheint die Wahrhaftigkeit zu sein, die Kiarostami interessiert.

ten-boyMein Kenntnisstand war demnach in gewisser Weise zunächst von Unwissenheit geprägt, die jedoch auch mal von Vorteil sein kann, weil jegliche Erwartungen an die formale Handschrift des Regisseurs überhaupt erst gar nicht existieren konnten. Wobei, so ganz stimmt das nicht: Dass Kiarostami und Autofahren nur schwer zu trennen sind, davon wusste ich schon vorher und tatsächlich ist es so, dass die motorisierte Form der Fortbewegung dieses gewisse Etwas verströmt. Nicht nur dauern die Fahrten in der Regel sehr lange an – der quasi Schein-Dokumentarfilm Ten (2002) beispielsweise besteht aus zehn identisch langen Einstellungen, die ausschließlich im Inneren eines Fahrzeugs gedreht wurden – sondern sie sind primäre Handlungsträger und weniger Modi der Überbrückung, wie es etwa in Jim Jarmuschs Filmen der Fall ist. Treffend formuliert es Bert Rebhandl für Ten: „Das Auto wird zu einem intimen Ort des Übergangs zwischen Kontrolle durch die islamischen Autoritäten und bürgerlichen Freiheiten, die man sich heimlich nimmt.“ Kiarostamis Interesse an den Problemen seines Heimatlandes werden hier in besonderem Maße offensichtlich, in diesem Falle am Leben der Frauen in Teheran, wobei das Fahrzeug die Funktion eines mikropolitischen Raums der Emanzipation erfüllt.

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Aus der Reihe “Rain and Wind”, 2007

Ausführlich geschwärmt von dem, was sich bei Kiarostami in- und außerhalb des Autos so alles abspielt, habe ich in meiner Kritik über Like Someone in Love, in der ich auch Copie Conforme (2010) angesprochen hatte, ebenfalls einem seiner neueren Filme. In beiden Werken ist die Autoscheibe ein künstlerisches Ausdruckmittel für die Idee einer Reflexion, die einen an Kiarostamis Fotoserie „Rain and Wind“ von 2007 erinnert (Hier klicken für mehr). Die Bilder schoss er aus dem Inneren eines Autos heraus, durch die Scheiben hindurch und das Regenwasser, das auf ihr herunterperlt oder sich in Wind- und Scheibenwischerrichtung entlagbewegt. In den genannten Filmen sind es Umgebungsspiegelungen auf dem Autofensterglas, die gleichzeitig jenes selbst und ebenso die Gesichter und Körper der Personen bespielen. Dies sorgt nicht für eine gewisse Entfremdung und Anonymisierung der Außenwelt, sondern auch der Menschen, die im Auto einen Dialog führen oder wie Zentralfigur Akiko in Like Someone in Love minutenlang im Taxi der Stimme ihrer für den Betrachter unbekannten Großmutter auf dem Anrufbeantworter ihres Handys lauschen. Es ist das Verweilen in diesen und anderen Zuständen, das diesen und manch seiner anderen Filme so sehr besonders macht.

Like Someone in LoveWer sich Like Someone in Love im Kino ansehen möchte, dort, wo er am besten wirkt und in oder in der Nähe von Braunschweig wohnt, der kann dies am 07.05. um 19:00 Uhr im Universum tun. Dort zeigen wird den Film, der übrigens seit einiger Zeit unsere Rating anführt, als einen mehr als würdigen Aufmacher der siebten Staffel unseren Cinemathek. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher!

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