DER GLÜCKLICHSTE TAG IM LEBEN DES OLLI MÄKI am 18.01.2017

Ein in schwarzweiß gekleideter Boxer-Film, situiert in den 1960er Jahren und unterfüttert mit einem Beziehungsdrama, wird sich wohl zwangsläufig einem Vergleich mit dem Genre-Vertreter Raging Bull (Martin Scorsese, US 1980) stellen müssen. Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki von Juho Kuosmanen zählt genau zu dieser Art von Film, hebelt jedoch die Genre-Erwartungen geschickt aus. Nach tobender Aggressivität und zugespitzter Rivalität sucht man hier vergebens. Während man sich im gängigen Repertoire des Sportfilms primär auf eine glorreiche Karriere fokussiert, sehnt sich Olli Mäki einzig nach dem glücklichsten Tag in seinem Leben.

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Doch bis dahin ist noch ein langer Weg: Am 17.08.1962 soll der Boxer Olli vor heimischer Kulisse gegen den amtierenden Weltmeister im Federgewicht antreten und den Titel nach Finnland holen. Doch bevor er überhaupt in den Ring steigen kann, steht er noch im Schlagabtausch mit diversen Unannehmlichkeiten: Fotoshootings für Werbekampagnen, aufdringliche Journalisten und allen voran das eigene Körpergewicht machen ihm zu schaffen. Innerhalb des Medienzirkus um Ollis eigene Person stärkt ihn seine Freundin Raija den Rücken, lässt sein Herz jedoch schwach werden. Sie kennt Rocky Marciano nicht und hat auch darüber hinaus kein sonderlich großes Interesse am Boxsport. Mit ihr tauscht er kräfteraubende Anstrengungen gegen ausgelassenes Beisammensein. Aus dem Ausdauertraining wird ein Besuch auf dem Jahrmarkt. Statt fliegender Fäuste, lassen die beiden Steinchen auf den finnischen Gewässern hüpfen. Und der Ringkampf weicht dem Ringkauf.
Ollis Trainer Elis betrachtet diese junge Liebe jedoch mit der Sorge sein Schützling würde nicht die notwendige Konzentration für das Boxen aufbringen. Kaum betritt sie in ihren weißen Sommerkleidern den Raum, bringt sie Ollis monochromer Welt zum strahlen und bündelt sämtliche Aufmerksamkeit bei sich – gleichwohl sie meist nur in 2. Reihe hinter dutzenden Journalisten platziert ist.

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Neben Olli und Raija ist die filmische Kamera wohl die dritte Protagonistin des Films. Diese zeichnet nicht nur die Romanze auf dem monochromemn 16mm Filmmaterial in grobkörnigem Gestus, sondern wird selbst aktiver Bestandteil der Erzählung. Mal sorgt ein gezielter Kameraschwenk für einen komödiantischen Moment, mal nimmt sie sich zurück und folgt den romantischen Waldtouren des Liebespaares. Ihre Präsenz wahrt sie in jedem Fall, gerade auch durch ein diegetisches Filmteam, das den Erfolgsweg Ollis versucht sichtbar zu machen.
Doch die Kamera verwehrt auch Blicke: In den letzten Filmminuten fasst sie ein älteres Ehepaar beim Spazierengehen nur als Rückenfiguren ins Bild. Olli und Raija, angetan von deren immer noch frischverliebten Esprit, wundern sich, ob sie selbst genauso altern werden. Der Clou ist, dass diese nur von hinten visualisierten Figuren die historischen Personen Olli und Raija Mäki selbst sind. Der Film beruht auf tatsächlichen Begebenheiten, stellt dies erfrischenderweise aber in keiner Weise aus, verzichtet etwa auf gängige Schrifteinblendungen a la “Nach einer wahren Geschichte”, sondern geht mit diesem Umstand vielmehr spielerisch um.

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Der durchweg sympathische Cast ebenso wie die nostalgischen Bildinszenierungen machen Der glückliste Tag im Leben des Olli Mäki zu einer erfrischend unaufgeregten Boxerkomödie. Anstatt sich gänzlich in Aggressivität und Ehrgeiz aufzulösen ist Kuosmanens Langfilmdebüt eine poetische Novelle über berufliche Genügsamkeit. So verwundert es nicht, dass der Film zu einem Erfolgsgarant auf unzähligen Festivals avanciert ist und auf den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes mit dem Hauptpreis in der Sektion ‘Un Certain Regard’ ausgezeichnet worden ist.
Wir zeigen Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki einmalig im Rahmen der Cinemathek am Mittwoch, den 18.01., um 19 Uhr im Universum-Filmtheater. Der Film läuft in der finnischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln und für Studierende gilt ein ermäßigter Eintrittspreis von 5,50 € (regulär: 8 €).

Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki (OT: Hymyilevä mies), FI/SE/DE 2016, 92′
Regie: Juho Kuosmanen
Buch: Juho Kuosmanen & Mikko Myllylahti
Kamera: J. P. Passi
Schnitt: Jussi Rautaniemi
Darsteller: Jarkko Lahti, Oona Airola, Eero Milonoff
Verleih & Bildrechte: Camino
Starttermin: 5. Januar 2017

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