“DAS TURINER PFERD” am Mittwoch 16.05.2012, 18:30 Uhr

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In unserer Reihe CINEMATHEK zeigen wir „Das Turiner Pferd“ von Béla Tarr am Mittwoch, den 16.05.2012 um 18:30 Uhr im Universum Filmtheater.

Bekannt ist der ungarische Regisseur für seinen eigenen, unverwechselbaren Stil. Nicht nur, dass er ausschließlich in Schwarzweiß dreht, es zeigen sich eine Vielzahl an technischen Raffinessen hinsichtlich der Bildkomposition, der Kameraführung und auf vielen weiteren stilistischen Ebenen. Das Turiner Pferd steht dieser unverwechselbaren Handschrift in nichts nach.

 

Im Vorspanntext des Films wird auf Friedrich Nietzsche verwiesen, wie er im Jahre 1889 versuchte ein Kutschpferd vor Misshandlungen zu retten. „Was mit dem Pferd geschah, wissen wir nicht“, heißt es am Ende des Textes. Der Film begleitet anschließend den monotonen und einfachen Alltag des Kutschers und seiner Tochter in einer gottverlassenen Gegend. Ihre alltäglichen Rituale finden nahezu wortlos statt. Der Eindruck von Trostlosigkeit und Leere schleicht sich schnell ein. Im Verlauf des Films deutet sich eine Szenerie des Untergangs an. Eine bedrohliche Musik in Kombination mit einem apokalyptischen Sturm erzeugt eine bedrückende Stimmung, der sich die beiden Hauptfiguren bis zum bitteren Ende zu widersetzen versuchen.

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Tarrs Markenzeichen – die sehr ausgedehnten Plansequenzen – gibt dem Zuschauer auch in diesem Film die Möglichkeit, die Filmbilder intensiv zu studieren und auf sich wirken zu lassen. Karge Räume und verlassene Orte bilden hierbei, wie so oft, das Setting. SeineThe_Turin_Horse_A_Torinoi_lo_02 ausdrucksstarken Figuren, deren Gesichter Geschichten erzählen, entwickeln durch mitunter nahezu hypnotisierende Bilder eine besondere Wirksamkeit. Es scheint paradox, dass die Filme Tarrs einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wobei sie so leise daher kommen, ein Kritiker würde vielleicht sagen „behäbig“. Doch der Filmemacher schafft es genau durch diesen Stil eine intensive Atmosphäre zu erzeugen. Ein Bewusstsein für den Moment und die scheinbar unwichtigen Details des Alltags wird so geschaffen. Er spart nichts aus, verzichtet auf eine verdichtete Handlung und zeigt anstatt dessen die Tagesabläufe seiner verzweifelten Figuren lebensecht.

Das Turiner Pferd gewann den großen Preis der Jury auf der Berlinale 2011.

Das Turiner Pferd, Ungarn/D/F/CH, 2011, ‘146
Regie: Béla Tarr
Kamera: Fred Kelemen
Drehbuch: Béla Tarr, Laszlo Krasznahorkai
Schnitt: Agnes Hranitzky
Verleih: Basis
Kinostart: 15.03.2012

Den Fyler zur kompletten Staffel der aktuellen Cinemathek gibt es Hier zum Download.

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