“DAS MERKWÜRDIGE KÄTZCHEN” in Anwesenheit des Regisseurs! Am 5. Februar!

Fünf Personen. Minimum. Danach werden es mehr. Und alle in einer Berliner Altbauwohnung, meistens in der Küche. Wer sich in den Finger schneidet, wird zum Clown, Knöpfe, die lose hängen, müssen abgerissen werden. Selbstgedrehte Zigaretten werden am Fenster geraucht, der Bruder geohrfeigt, nachdem er die Schwester küsste. Aber die Oma schläft, nur wenn sie aufwacht, kann sie die Mutter retten.

Vergesst doch mal die beschreibenden, dienenden Filmkritiken. Das merkwürdige Kätzchen ist in erster Linie ein Film, den man gesehen haben muss. 72 Minuten, die für nicht wenige Kritiker das höchste Glück bedeuten, das der deutsche Film seit langem hervorgebracht hat. (Die Liebeserklärung von Lukas Foerster gibt es hier, geerdeter, aber nicht weniger emphatisch schreibt Ekkehard Knörer hier). Wegen der Choreographie des Alltags, die sich vor der Kamera von Alexander Haßkerl so unübersichtlich präzise entfaltet und die Schönheit des gemeinsamen Aneinandervorbeilebens greifbar werden lässt; wegen einer tollen Kinderdarstellerin, der es eine sichtbare Freude war, gegen das lärmende Mahlwerk des Kaffeevollautomaten anzuschreien; weil der Rahmen des Films die über mehrere Szenen hinweg gesponnenen Dialogfragmente dann doch in einen Sinnzusammenhang rückt, der Aneinandervorbeireden plötzlich zu einer recht unterhaltsamen Angelegenheit werden lässt (der einzige, der im Film jemandem wirklich und konzentriert zuzuhören scheint, ist der Hund, den das Schnurren der Katze beruhigt); und weil der Regisseur des Films, Ramon Zürcher, am 5.2. bei uns in der Cinemathek zu Gast ist und seinen Film vorstellt.

Zürcher selbst, Schweizer Absolvent der Bildenden Künste, Student der Berliner Film- und Fernsehakademie, ist auch ein Phänomen. Sein Film ist eine Semesterarbeit, die trotzdem im Forum der letztjährigen Berlinale aufgeführt wurde. Als quasi Unbekannter wurde er dort über Nacht zum Star. Selten habe ich Ähnliches auf der Berlinale erlebt: schon nach den ersten Aufführungen gab es kaum eine Schlange, kaum einen cinephilen Blog, in dem nicht vom „Kätzchen“ die Rede war (auch das Daumenkino mochte diesen Film von Anfang an, wie hier zu lesen ist). Auch die Auslandspresse schloss sich der Euphorie an, es folgte Cannes und nun der Bundesstart.

Man müsste Bilder zeigen, um von der formalen Qualität dieses Films sprechen zu können, genaue Szenenanalysen, um das ständige Auf und Ab der Personen, die Inszenierung des hors-cadre, des nicht sichtbaren Raums, begreifbar zu machen.

Für alle, die bis hierhin gelesen haben und trotzdem noch was zum „Inhalt“ wissen wollen: ja, es ist ein narrativer Film, ja, er hat eine Menge leisen Humors, und rührende, nachdenkliche Szenen. Action gibt es auch. Sogar eine dicke Frau, die in der Wohnung drüber wohnt und diese aufgrund ihres Gewichts nicht mehr verlassen kann, weswegen sie die Einkäufe in einem Netz am Fenster der Filmwohnung vorbei nach oben zieht. Der Rest steht in den Kritiken. Nachlesen hilft jedoch nicht, man muss es gesehen haben, um es zu glauben.

Deutschland 2013.
Regie, Buch, Schnitt: Ramon Zürcher

Kamera: Alexander Haßkerl
Kostüme: Dorothée Bach
Ton: Benjamin Kalisch
Musik: Thee More Shallows
Szenenbild: Matthias Werner, Sabine Kassebaum
Maske: Vivien Rahn
Herstellungsleitung: Myriam Eichler
Producer: Johanna Bergel, Silvan Zürcher

Produktion: dffb, Berlin, in Koproduktion mit Ramon und Silvan Zürcher und Alexander Haßkerl

Darsteller: Jenny Schily (Mutter), Anjorka Strechel (Karin), Mia Kasalo (Clara), Luk Pfaff (Simon), Matthias Dittmer (Vater), Armin Marewski (Schwager), Leon Alan Beiersdorf (Jonas), Sabine Werner (Tante), Kath-
leen Morgeneyer (Hanna), Monika Hetterle (Großmutter), Gustav Körner
(Nachbarsjunge), Lea Draeger (Frau auf Balkon)

Format: DCP, Farbe. Länge: 72 Minuten. Sprache: Deutsch.
Uraufführung: 11. Februar 2013, Forum der Berlinale

One Response to ““DAS MERKWÜRDIGE KÄTZCHEN” in Anwesenheit des Regisseurs! Am 5. Februar!”

Leave a Reply

  • (will not be published)

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>